Aus unserem Archiv: Der kroatische Weg zur Katharsis

Der Zagreber Verleger Slavko Goldstein, Ratspräsident der Gedenkstätte Jasenovac, weist hin, dass in Jasenovac, nach einem halben Jahrzehnt des Schweigens, Voraussetzungen geschaffen wurden, um den politischen Missbrauch der Opfer nicht nur des Ustascha-Regims sondern auch derjenigen begangen nach dem Zweiten Weltkrieg zu beenden. Es ist Zeit, wie Goldstein betont, für die kroatische Katharsis, aber nicht nur für die kroatische…

 

Radio B92, Katarsis,  Samstag, den 17. Mai 2003

Gast: Slavko Goldstein

Gastgeber: Jasna Janković, Željko Peratović 

 

B92: In der Sendung, die wie jeden Samstag auf dem Program des Radios B92 der „Katharsis“ gewidmet ist, habe ich die Ehre, Ihnen Herrn Slavko Goldstein vorzustellen. Er wird uns über den kroatischen Weg zur Katarsis berichten. Željko Peratović sprach mit Herrn Goldstein in Zagreb. Herr Goldstein promovierte letzte Woche Bücher aus der Edition „Kameni cvijet“ („Die steinige Blume“). Da es sich bei „Der steinigen Blume“ um ein materialisiertes Symbol des Konzentrationslagers Jasenovac handelt, wurde durch diese Promotion der 58-jährige Gedenktag der Flucht der Häftlinge aus diesem berüchtigten Ustasha-Konzentrationslager gefeiert. Dieses Konzentrationslager wurde in der Zwischenzeit ein Mythos, und als solches Gegenstand politischen Missbrauchs. Diesen Sonntag haben Stjepan Mesić und Ivica Račan, sowie die Delegation mit Nenad Čanak, Jasenovac besucht. Die Mitglieder der Vereinigung der Roma aus Serbien und Montenegro waren nicht anwesend, weil ihnen, so wurde es ungeschickt erklärt, kein Visum erteilt werden konnte.

„Gerade hier in Jasenovac, möchte ich als Präsident der Republik Kroatien mein ganz tiefes Beileid bekunden, für die unschuldigen Opfer die ermordet wurden von Seiten derjenigen, welche die Idee des kroatischen Staates missbraucht haben als Deckung für die Morde, Plünderungen und Verfolgungen, begangen wann auch immer und in welchem Kontekst auch immer. Das kroatische Volk ist nicht und darf nicht Geisel derjenigen sein, die mit ihren Verbrechen den kroatischen Namen besudelten.“ sagte Stjepan Mesic.

Der Zagreber Verleger Slavko Goldstein, Ratspräsident der Gedenkstätte Jasenovac, weist im Interview für B92 hin, dass in Jasenovac, nach einem halben Jahrzehnt des Schweigens, Voraussetzungen geschaffen wurden, um den Missbrauch der Opfer nicht nur des Ustaša-Regims sondern auch derjenige begangen nach dem Zweiten Weltkrieg zu beenden. Es ist Zeit, wie Goldstein betont, für die kroatische Katharsis, aber nicht nur für die kroatische…

Goldstein: Dies ist wirklich ein Versäumnis. Sprechen wir über die Schuld, natürlich zeigen sich da auch Bleiburg und der Kreuzweg. Doch meiner Ansicht nach, liegt eine viel grössere Schuld darin, dass die Regierung über 45 Jahre lang nicht erlaubt hatte, dass irgendetwas über dieses Thema gesagt wurde. Anderseits erlaubte sie die Manipulation mit den Opfern von Jasenovac und hat sich nie bemüht, die wahre Opferzahl zu ermitteln. Darum befinden wir uns nun in dieser Situation, nach 45 Jahren des Schweigens, man schwieg, wie sie wissen, auch über Goli Otok. Man hätte Jasenovac normal behandeln und die wahre Opferzahl von Jasenovac und überhaupt des Ustasha-Genozids ermitteln sollen. Jetzt etwas zu erfahren wird immer schwieriger. Und hätte man über Bleiburg und den Kreuzweg historisch gesehen objektiv geschrieben, hätte es Diskussionen, Meinungsverschieden-heiten ja sogar vielleicht Proteste von manchen Partisanen-Offiziere gegeben, aber die Öffentlichkeit hätte eine Katharsis erlebt und wir hätten heute weniger Probleme in den serbo-kroatischen Verhäl-tnissen. Die Serben in Kroatien waren unter dem Eindruck des ungeklärten und ausmanipulierten Jahres 1941, die Kroaten unter dem Eindruck des ausmanipulierten Jahres 1945. Schon diese Gedenkfeier in Jasenovac und Bleiburg hat gezeigt, dass während in Bleiburg zur Tudjmans Zeit Gedenkfeiern stattfanden, Jasenovac minimalisiert und verschwiegen wurde. Sogar die Öffentlichkeit ist sich der Grösse der Greultat in Jasenovac bewusst, aber auch dass in Bleiburg ein Verbrechen begangen wurde, nicht in der Grössenordnung, wie man es die letzten Jahre aufzeigen wollte, aber dennoch ein Verbrechen.

Es wird sehr viel relativisiert und zu schnell werden begangene alte Verbrechen bei Seite geschoben. Relativisiert werden Verbrechen aus dem Jahr 1941 oder 1945 oder wenn sie wollen 1949, aber auch aus dem Jahr 1991 oder 1995. Hätte man in der Gesellschaft ein klares Bild über die tiefen Wurzeln sowie schwerwiegenden Folgen begangener Verbrechen aus dem Jahr 1941, aber auch 1945 geschaffen, mit grosser Wahrscheinlichkeit hätte es so manch hässliche Sachen im Jahr 1991 oder 1991 nicht gegeben. Dies ist eine rein pragmatisches Vorhaben der Wahrheitsfindung. Dennoch, hat dies auch eine tiefere moralische Dimension. Ich würde dies, sehr metaphorisch gesprochen, aber auch ein bisschen schlicht, als Auswurzeln der Wurzeln des Bösen, umschreiben. Die Wurzeln des Bösen sind unheimlich tief, wie auch das Böse selbst in der Gesellschaft und dem Mensch als Individuum. Ein definitive Antwort ist schwer zu finden. Es gibt Bücher die umschreiben das Böse im Menschen als etwas angeborenes. Das Böse ist dem Menschen eigen, durch die Zivilisation gezähmt. Die Anatomie der menschlichen Destruktion analisiert all diese Theorien. Ich werden nicht so weit gehen, jetzt oder überhaupt über dieses Thema zu diskutieren. Es handelt sich um das unmittelbare Böse, auf diesen Gebieten im Jahre 1941 enstanden, welches bis zum Ende nicht aufgeklärt wurde. So kam es gerade wegen dieses Bösen zur Kettenreaktion solchen Verhaltens, dh. zur Ermordungen von Menschen anderer Religion, Nation, Rasse oder Meinung. Seit 1941 wird dies hier als Teil des politischen Kampfes angesehen.

Natürlich denke ich nicht, dass es vor dem Jahr 1941 kein Böses gab, doch erst 1941 hat das Ustasha-Regime als Erstes offiziel mit dem politischen Morden Nichtgleichgesinnter, der Politik des Genocids angefangen. Bis dahin gab es natürlich Verhaftungen, sogar Ermordungen seitens der Polizei im alten Jugoslawien, in der Österreich-Ungarischen Monarchie; es gab auch individuelle politische Aus-einandersetzungen, aber keine Regierung, keine Macht hat mittels Gesetze das Böse vorgeschrieben, z.B. Gesetze über die Tötung von Geiseln. Die im Jahre 1945 stattgefundenen Ermordungen auf dem Bleiburg und dem Kreuzweg sind auch Verbrechen, aber eine andere Art von Verbrechen.

B92: Slavko Goldstein, der auch der Präsident der Zagreber Judengemeinde und Präsident und Gründer der Sozial-liberal Partei war, berichtet, dass auf Grund seiner Untersuchungen in den Konzentrations-lager Jasenovac und Stara Gradiska um die 80’000 und 100’000 Menschen starben, darunter 60’000 Serben.

Goldstein: Betreffend der Zahl der Opfer in Jasenovac sind wir mehr oder weniger sicher, dass es sich um 80’000 bis 100’000 handelt. Folgen wir den Berichten des Instituts für Statistik Jugoslawiens und seinen Untersuchungen im Jahre 1964 kommen wir zu einer Zahl von ungefähr Neunzig Tausend. Das Institut hat über neundundfünzig Tausend Namen von umgebrachten Menschen in Jasenovac und Stara Gradiska gezählt und auf Grund einiger Texte gaben sich ein unvollendete Analyse, die wegen verschiedener Gründe beendet wurde. In Belgrad, im Museum für Genozid hat man weitergemacht und auf die Zahl des Instituts für Statistik kam man auf 77.000 Namen. Es wurde eine reale Zahl von umgebrachten Roma ermittelt, eine ziemlich zuverlässige Zahl, weil man in den Provinzarhiven rechechierte. Mein Sohn untersucht und schreibt über den Holocaust und kam zur realen Opferzahl von umgebrachten Juden in Jasenovac. Heute wissen wir auch über die Opferzahl der Bosnier, die vorwiegend nach Gerichtsurteilen umgebracht wurden. Die Zahl der serbischen Opfer ist noch offen, aber nach meinem Dafürwissen ist diese Zahl um die 50’000 vielleicht bis 60’000. Die insgesamte Zahl der serbischen Opfer auf dem Gebiet der NDH beträgt um die 360’000, worunter die Opfer der Partisanen und Chetniks, und Zivilisten mitgezählt wurden. Nach meiner Einsicht, die betreffend der Gebiete von Kordun und ein bisschen von Lika und der Stadt Karlovac ziemlich gross ist, sind mehr Serben vor den Häusern, in den Dörfern, während der Ustasha-Feldzuges ermordet worden, als in Jasenovac selbst.

Vor allem sei erwähnt, Tuđman war kein Historiker, obwohl er angeblich seine Doktorarbeit in Geschichte schrieb. Er war eigentlich Politiker, der sein ziemlich grosses Wissen, besonders in zeitgemässer kroatischen Geschichte für politische Agitation missbrauchte. Er aneignete sich dieses Wissen durch stetiges Lesen. Er war auch ein Antifaschist, er sagte, solange er hier wäre, würde kein Ustasoismus durchkommen“ und dann hat er die Geschichte nach seinen pragmatischen politischen Schätzungen neu geschrieben.

Eine von seinen Schätzungen war, die Ustasha-Emigration zufriedenzustellen, um von ihnen finanzielle Hilfe zu bekommen. Eine ziemlich kranke Idee war das sog. Vermischen der Gebeine – nach Jasenovac wollte er die Gebeine derer bringen, die bei Bleiburg oder auf dem Kreuzweg umkamen. Dies bedeutete in Jasenovac Leute zu beerdigen, die mordeten. Man darf nicht vergessen, dass inmitten bei Bleiburg in einer grossen Zahl diejenigen umkamen, die in Jasenovac selbst, und nicht nur in Jasenovac, Wächter waren.

B92: Slavko Goldstein ist auch Miteigentümer des Verlagshauses „Novi liber“. Vor kurzem hat er gemeinsam mit seinem Sohn Ivo im „Novi liber“ das Buch „Holocaust in Zagreb“, welches sich mit dem Leiden der Juden in Zagreb befasst, veröffentlicht. Mit dem Thema Bleiburg und der Kreuzweg wird Kroatien vor dem Beginn des Krieges 1990 konfrontiert. Bis dahin gab es nur Aussagen derjenigen, die den Kreuzweg von Slowenien bis Makedonien durchlebt hatten. Offiziell, bezeichnete man mit dem Kreuzweg die Rückkehr der gefangen genommenen Domobranen und mobilisierte Ustaschas. Da niemand erwähnen durfte, dass sie während des Marsches geschlagen worden sind, schockierten im Jahre 1990 die ersten Berichte über den Kreuzweg, veröffentlicht in den Zeitschriften „Start“, „Danas“ und manchen ausländischen Zeitungen, die Öffentlichkeit. Eigentlich hat man schon im Jahre 1989 und 1990 angefangen über dieses Thema zu schreiben, doch immer weniger waren die Autoren Akademiker, immer mehr gab es autenthische Berichte Überlebender. Dies hatte eine Mythologisierung des Bleiburgs und des Kreuzweges zur Folge. Im Jahre 1991 kommt es zum Krieg.

Katarsis

Die Szene aus dem Drama “Das fünfte Evangelium” von dem Zagreber Dramatiker Slobodan Šnajder nach »Das Konzentrationslager an der Save«, dem erst 1999 veröffentlichten Tagebuch von Ilija Jakovljević.

 

Goldstein: Der Unterschied zwischen Pavelić und Tito besteht in der Tatsache, dass Pavelić schon vor der Machtübernahme das Verbrechen initiert und beschlossen hatte. Nach der Machtübernahme, begang man sofort mit der Ermordung der Serben, mit ihrer massenhaften Ermordung. Pavelic hat die Ermordung direkt befohlen, dafür gibt es unzählige mittelbare Beweise, keine schriftlichen; doch der grösste Beweis ist, dass Pavelic während der ganzen Zeit den grössten Henker Luburić forsiert, beschützt, gefördert und zuletzt ihm das Oberkommando über die ganze Armee der NDH überreicht hatte. Luburić war ein berüchtigter Verbrecher, der eigenhändig Hunderte ermordert haben soll. Tito hatte eine Vereinbarung mit dem Feldmarschal der Allierten,

Alexander, betreffend der Achtung der Genfer Konvention über die gegenseitige Übergabe von Kriegsgefangenen. Vor allem aber, wollte Tito in dieser Zeit Kärnten und Triest dem Jugoslawien angliedern. In diesem Bestreben forsierte er das Vorrücken der Armee, sogar vor den Engländern und es kam zu gewissen Spannung zwischen den Engländer, und im kleineren Masse den Amerikaner, einerseits und der JNA anderseits. Die Gefahr eines offenen Konfliktes, ich möchte nicht sagen Krieges, aber eines Kampfes bahnte sich an. Aus dieser Angespanntheit her war für Tito natürlich klar, dass die Ermordung von Kriegsgefangenen die schon genügend delikate Situation nur noch mehr verschärfen würde. Ausserdem wollte er, dass man die Kriegsgefangenen so gut es geht fair behandelt. Natürlich hatte er eine schlechte Meinung über sie, doch besass er dennoch Rücksicht und war sich bewusst, dass das Gesicht Jugoslawiens und seiner Armee verunreinigt sein würde, wenn sich solche Sachen wirklich ereignen würden. Gerade deswegen befahl Terzić, nach Tito’s Anordnung, am 3. Mai 1945, in einer 17 Punkten-Anweisung, wie mit den Kriegsgefangenen zu verfahren sei.

Unterbringung in Lagern, Verhöre, Gerichtsverhandlungen, Achtung der Genfer Konvention waren explizit befohlen. Der Krieg endete am 9. Mai, doch die Ustaschas hatten sich nicht ergeben und man hat weiterhin gekämpft. In diesen Kämpfen starben nicht mehr „Partisanen“, sondern „Soldaten der Jugoslawischen Armee“. In der Tobsucht, hatten die Partisanen dh. die Soldaten, angefangen die Kriegsgefangenen zu ermordern, massenhaft, Tausende von ihnen. Tito reagierte am 14. Mai und schrieb eigenhändig einen Brief, der vermutlich als Depesche abgeschickt wurde. Doch das Original blieb erhalten und ich habe es bekommen. Ein Mann hat rechechiert und mir nicht nur eine Kopie des Briefes, sondern überhaupt der ganzen Dokumente geschickt. In diesem Brief schrieb Tito man dürfe die Kriegsgefangenen nicht umbringen, sondern in Lager schicken; die Offiziere des Feindes soll man vor ein Militärgericht stellen, die Soldaten in die Lager, und Zivilisten nach Hause schicken. Ich war in dieser Zeit Partisan in der Zweiten Armee des Koča Popović, in der Karlovac-Brigade. Im Gefüge dieser Zweiten Armee hatte selbst ich die Gelegenheit die Anordnung des Koča Popović zu lesen.

Es wurde angeordnet, dass Plünderungen in neuerorberten Orten verboten werden und die eventuellen Täter streng bestraft werden. Gerade aufgrund solcher strikter Befehle über das korrekte Verhalten gab es in der Region Karlovac keine Plünderungen von Seiten der Armee. Tito’s Brief hatte nicht diese Schärfe wie seine anderen Anordnungen, aber dennoch eine klare Warnung – ich will dies nicht.

Als Luburić und Boban hörten, dass man sich innerhalb von einer Stunde und fünfzehn Minuten übergeben musste, beschlossen sie dies nicht zu tun. Da sie zusammen die Front und den englischen Korps nicht durchbrechen konnten, hatten sie sich wieder Slowenien zurück zugewand und versuchten in diese Richtung fortzuschreiten. Es kam zu Kämpfen und zur erneute Ermordung von Gefangenen. Diese Ermordungen waren ganz klare Verbrechen, Verbrechen ohne Anordnungen, vielleicht mit Anordnung der lokalen Kommandanten.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass sich diese Kommandanten einfach und schnell der Gefangenen entledigen wollten, da sie von Tito den Befehl hatten, Kärnten zu erobern. Es handelt sich hierbei um eine Barbarei der Sieger; rachsüchtig und rücksichtslos in dieser Kriegsituation. Die Zivilisten wurden nach Hause geschickt. Ich selber besitze Dokumente, Passierscheine datiert auf den 17. Mai, aus Maribor; aufgrund dieses Passierscheins wurde eine ganze Familie nach Travnik freigelassen. Es gibt einen Mann, der schrieb ein Buch über die Leiden der Bevölkerung in Zentralbosnien.

Er war damals 16 Jahre alt, kam nach Hause und die ganze Familie wurde nach Hause geschickt. Des weiteren ist mir bekannt, dass eine ganze Familie eines Mitgliedes des Ustasa-Stabes, der unsere Wohnung in Zagreb bewohnte; seine Frau und Kinder bei Bleiburg freigelassen wurden. Sie holte Ihre Sachen bei uns ab. Wir gaben sie ihr, obwohl sie unsere vier Jahre benutzt hatten. Der grösste Teil der Armee, der sich übergeben hatte, bestand aus Domobranen und mobilisierten Ustashas. Es handelte sich um Leute, die Boban und Luburić in einen neuen Krieg nicht folgen wollten. Sie dachten sich sie seien unschuldig, übergaben die Waffen und wurden von Bleiburg nach Maribor geschickt. In Maribor begann der Kreuzweg; dort wurden die Leute umgebracht und dies ist ein Verbrechen.

Ich würde sogar behaupten „Verbrechen nach Karakter“ – Verbrechen ist Verbrechen; dennoch bestehen verschiedene Grade des Verbrechens; aus diesem Grunde besteht auch verschiedene zeitliche Verurteilung der Verbrechen. Die Verbrechen während des Kreuzweges wiegen schwieriger als die in der Nähe von Bleiburg während des Durchbruches der Armee. Die Verbrechen bei Bleiburg waren schrecklich, aber schrecklicher waren die Ermordungen Gefangener, die sich übergeben hatten, keine Waffen mehr besassen und abgequält waren. Dies war kein Befehl.

Vielleicht handelt es sich um einen Befehl oder Erlaubnis des Jugoslawischen Geheimdienstes. Ich lass Berichte einzelner lokaler Regierungen und Parteikomitees von Nova Gradiska in denen sich das Bezirkskomitee über Ermordung von sieben Gefangenen auf dem Weg nach Stara Gradiška, 14 Gefangene im Gefängnis in Stara Gradiška beklagte. Es wird berichtet der Jugoslawischer Geheimdienst hätte in Nova Gradiška Leute ohne Verurteilung ermordern lassen und dass die Partisan nichts besser seien als die Ustaschas. Man kann demnach nicht behaupten, die Ermordungen waren von höchster Stelle angeordnet, sonst würde sich das Bezirkskomitee wohl nicht gegen solch ein Vorgehen protestieren.

Ich möchte hiermit nicht ausschliessen, dass es dennoch Befehle lokaler Organe des Jugoslawischen Geheimdienstes gegeben hätte. Ich besitze Đilas’ Aussage über dieses Thema. Er sagte aus, er befand sich damals in Montenegro und nach seiner Heimkehr bekam er darüber Kenntnis. Z.B. der Bruder von Svetozar Vukmanović, ein Chetnik, verschwand. Sie wissen ja, dass um Bleiburg und auch später mehrere Tausend Slowener und 5’000 Chetniks ermordet wurden. Niemand überlebte. Die Aussagen der Augenzeugen bei Bleiburg besagen, dass Penezić befohlen haben soll, alle Chetniks zu töten. Penezić war damals Chef des Jugoslawischen Geheimdienstes für Serbien. Bei Bleiburg befand sich auch eine Zahl von Montenegrinischer Chetnilks die getötet wurden. Der Bruder von Svetozar Vukmanović Tempo war Mittelschul- und Religionslehrer.

Die Familie machte sich sorgen und dies war bekannt und die Leute haben dies nicht gutgeheissen. So hat auch Đilas nachgefragt, missbilligt, in dieser Zeit war er nicht die Sorte Mensch, der sich gegen dies auflehnte, später ja, damals nicht. Er fragte nach dem Warum und Tito antwortete mit einem Ärmelzucken:“Es war Krieg, die Bande hat weiterhin gekämpft, so töteten sie die Bande, was willst Du denn überhaupt?“ Am 26. Mai in Laibach sagte er: “Die Leute fragen was geschehen ist…“ – die Essenz dieser drei Sätze ist, dass es sich nicht um eine grosse Rede handelte – „…Die Rachehand hat den Grösstenteil genommen.„ Genau das waren seine Worte. Mit diesen Worten drückte er unmissverständlich aus, er wolle dies nicht weiterhin untersuchen und niemand wurde wegen dieser Greueltaten bei Bleiburg und auf dem Kreuzweg zur Verantwortung gezogen.

aus dem Kroatischen übersetzt: Nada Peratović

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