Nada Peratović: Die Bewertung der gemeinsamen internationalen Mission über den Angriff auf meinen Mann ist falsch!

Dies war der Grund, wieso Željko Peratović den kroatischen Journalistenverband verliess. Einige Vertreter der Mission folgerten, dass die Verweigerung der Anwältin Alaburić im Zusammenhang mit der Tatsache liegen könnte, dass sie einst vor dem ICTY den des Kriegsverbrechen angeklagten Milivoj Petković vertreten hatte. An deren Verteidigung war nicht nur der kroatische Staat interessiert, sonder auch Josip Perković, welcher als Kriegsberater und -assistent des damaligen Verteidigungsministers vielleicht in die inkriminierten Ereignisse verwickelt worden war.

Als Präsidentin des Zentrums für Zivilcourage, aber auch als Ehefrau des investigativen Journalisten Željko Peratović und seine Übersetzerin und somit Zeugin der Sitzung zwischen den Vertretern der Internationalen Mission über die Medienfreiheiten in Kroatien und den eingeladenen kroatischen Journalisten (am 23. 06. 2016 im Restaurant „Madera“ in Zagreb), möchte ich mich gerne zu den Ungenauigkeiten und der falschen Schlussfolgerung aus dem Bericht der Mission, welcher am 09. August dieses Jahres vom Präsidenten des kroatischen Journalistenverbandes (HND) Saša Leković an einer Pressekonferenz vorgestellt sowie auf deren Seiten (Croatia: Media Freedom in Turbulent Times /Report on the June 2016 Joint International Mission) veröffentlicht wurde, äussern.

 

Ich zitiere von der Seite 9 einen Teil des Berichtes über die Gemeinsamen internationale Mission im Juni 2016:

„Im Mai 2015 wurde der preisgekrönte Journalist Željko Peratović von drei Männern, die in seinem Haus in der Nähe von Karlovac eingebrochen waren, zusammengeschlagen und gewürgt. Die Polizei hat die drei Verdächtigen schon am folgenden Tag verhaftet, aber sie wurden anschließend bis zur weiteren Untersuchung freigelassen. Die Staatsanwaltschaft wollte die Tatverdächtigen zunächst der schweren Körperverletzungen beschuldigen, auf Peratovićs Verlangen wurde der Vorwurf des versuchten Mordes erhoben. Im Februar 2016 wurde der Vorwurf des versuchten Mordes aber wieder fallengelassen – die Staatsanwaltschaft ist bei der Anschuldigung auf schwere Körperverletzung und Hauseinbruch geblieben.

Es herrscht die Meinung, der Angriff auf Peratović stehe im Zusammenhang mit seinen Artikeln über die Korruption in der Stadt Karlovac und dem öffentlichen Unternehmen “Kroatische Wasser”. Peratović, der im Jahr 2014 eine Auszeichnung des kroatischen Journalistenverbandes für seinen investigativen Journalismus erhielt, erwähnte im Gespräch mit den Vertretern der Mission ernsthafte Fehler in den polizeilichen Ermittlungen, einschliesslich eine schlechte Arbeit der forensischen Abteilung und Mängel bei der sorgfältig zu führenden Zeugenbefragung. Peratović verliess nach dem Angriff Kroatien und zog mit seiner Familie in die Schweiz.“

Ich möchte hiermit betonen, dass die Schlussfolgerung der Mission – der Angriff sei mit Peratovićs Schreiben über die Korruption in Karlovac und dem Unternehmen „Kroatische Wasser“ verbunden – falsch ist!

Die anwesenden Vertreter der Mission waren:
Renate Schroeder, Director, European Federation of Journalists / International Federation of Journalists, Brussels
Jane Whyatt, Director, European Center for Press and Media Freedom, Leipzig
Scott Griffen, director of Press Freedom Programmes at International Press Institute (IPI) in Vienna
Deniz Yazici, OSCE Freedom of media, OSCE, Vienna
Dr. Rubina Moehring, Reporters Without Borders / Reporters Sans Frontières
Boris Bergant, Member of the Board South East Europe Media Organisation (SEEMO) and Advisor and former Deputy President, European Broadcasting Union, Geneva
Oliver Vujović, Secretary General, South East Europe Media Organisation (SEEMO), Vienna (Head of the delegation),

Mission Peratović Kroatien medien

Jane Whyatt, Scott Griffen, Oliver Vujović, Kolinda Grabar Kitarović, Rubina Moehring, Renate Schroeder, Deniz Yazici, Boris Bergant / foto: ECPMF

Mein Ehemann Željko Peratović hat den Vertretern der Mission in einem länger als eine Stunde dauernden Gespräch erklärt, dass der Angriff mit seinem Schreiben über das Münchner Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen kroatischen Chef des jugoslawischen Geheimdienstes Josip Perković verbunden ist. Josip Perković wurde am 03. August 2016 beim Oberlandesgericht  München wegen Mittäterschaft in der Ermordung des kroatischen politischen Emigranten Stjepan Đurekovic im Jahre 1983 in Deutschland zur lebenslangen Haft verurteilt.

Die folgenden Vertreter der Mission: Oliver Vujović, Boris Bergant, Renate Schroeder und Dr. Rubina Moehring waren sehr interessiert, wieso der jetzige Präsident des kroatischen Journalistenverbandes (HND) Saša Leković und Vesna Laburić, die führende Anwältin des HNDsches Zentrum für Meinungsfreiheit es abgelehnt haben, dem Journalisten Peratović rechtliche Hilfe im Verfahren gegen die Täter zu gewähren.

Peratović erzählte, dass sich schon damals, im Jahre 1998-1999 Vesna Alaburić als korporative Anwaltin der wöchentlichen Zeitschrift “Globus” in Zusammenarbeit mit der damaligen Präsidentin des HND, Jagoda Vukušić, weigerte, den Journalisten öffentlich zu unterstützen und die Drohung des noch damals mächtigen kroatischen Spions Josip Perković öffentlich zu verurteilen. Josip Perković hatte damals den Journalisten Željko Peratović dreimal mit einer Waffe bedroht und ihm gedroht, ihn umzubringen, wenn er weiterhin über ihn negativ schreiben würde.

Der Journalist Peratović sagte, dass er erst Ende Jahres 1999 über das Sindikat der kroatischen Journalisten die Unterstützung des Generalsekretärs der Internationalen Journalisten-Föderation Aidan White bekam. Renate Schroeder lobte diese Reaktion, wie sie sagte, “ihres ehemaligen Chefs Aidan White.”

Vor dem Treffen hat mein Ehemann über Journalistenkollegen der SEEMO der Internationalen Mission alle verfügbaren Unterlagen zugeschichkt, aus welchen ersichtlich ist, dass er alles getan hat, was Saša Leković und Vesna Alaburić von ihm verlangt hatten (sie über den Fortgang des Verfahrens zu informieren und dergl.), damit der Verband ihn unterstützen und die Anwältin Alaburić im Verfahren vertreten könnte. Letztlich wurde diese Hilfe ohne Angabe von Gründen nicht erbracht.

Dies war der Grund, wieso Željko Peratović den kroatischen Journalistenverband verliess. Einige Vertreter der Mission folgerten, dass die Verweigerung der Anwältin Alaburić im Zusammenhang mit der Tatsache liegen könnte, dass sie einst vor dem ICTY den des Kriegsverbrechen angeklagten Milivoj Petković vertreten hatte. An deren Verteidigung war nicht nur der kroatische Staat interessiert, sonder auch Josip Perković, welcher als Kriegsberater und -assistent des damaligen Verteidigungsministers vielleicht in die inkriminierten Ereignisse verwickelt worden war.

An der Sitzung mit den Vertretern der Mission blieben wir eine halbe Stunde länger als erwartet. Für den Fall meines Mannes, die Verbindung zwischen dem Angriff und dem Prozess in München, welches damals noch nicht abgeschlossen war, das Nicht-Funktionieren der Rechtsstaates in der Republik Kroatien, den Einfluss von alten Strukturen des Sozialismus auf die politischen und anderen Entwicklungen in Land waren insbesonders Boris Bergant, Renate Schroeder und Dr. Rubina Möhring interessiert.

Freimut Duve, Rubina, Moehring, Jelena Bjelica, Milorad Vesić, Željko Peratović un Nada Peratović

Freimut Duve, Rubina, Moehring, Jelena Bjelica, Milorad Vesić, Željko Peratović un Nada Peratović

Wir kennen Frau Möhring seit 2004, als sie als Präsidentin der österreichischen Sektion der Reporter ohne Grenzen in Wien meinem Mann eine Auszeichnung für eine Reihe von Artikeln über Kriegsverbrechen durch kroatische Soldaten in den frühen 90er Jahren in der Region Lika, überreicht hatte.

In den Unterlagen, welche ich manchen Vertretern zugesandt habe, wird nirgends die Korruption in der Stadt Karlovac oder das Unternehmen „Kroatische Wasser“ erwähnt.

Es entspricht auch nicht der Wahrheit, dass wir als Familie sofort nach dem Angriff Kroatien verlassen haben und in die Schweiz umgezogen sind. Wir haben dies damals angekündigt und dann auch im Sommer 2016 vollzogen, als wir eingesehen haben, dass sich die kroatischen Behörden, aber auch das HND mit dem Angriff auf meinen Mann und die Drohungen ihm und uns gegenüber nicht ernsthaft befassen.

Als wir uns für dieses Gespräch mit der Mission einverstanden erklärten, erhofften wir einen objektiven Einblick in unsere Situation und während des Treffens hatten wir beide den Eindruck, dass dem so sei. Doch, der Bericht unterzeichnet von Scott Griffen, dem Programmdirektor für die Pressefreiheit des Internationalen Press Institutes (IPI), ist leider alles andere als objektiv.

Wegen allen obengenannten Ereignissen sind wir zutiefst überrascht und enttäuscht vom Bericht und fürchten weiterhin, auch in der Schweiz, für die Sicherheit unserer Familie.

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