Seine offene Kritik am kroatischen Geheimdienst brachte Peratović ins Gefängnis

Željko Peratović lässt sich jedoch nicht so leicht besiegen: „Sie haben sich verkalkuliert und dachten, dass ich mit der Zeit unter den Repressalien aufgeben würde. Aber ich fürchte mich nicht mehr vor ihnen.“

von Kristina Grgic / Bericht | 07.11. 2007 / www.weitergedacht.at

Am 17. Oktober wurde der kroatische Journalist Željko Peratović verhaftet und stundenlang verhört. Der Grund: Die Behörden werfen ihm vor, in seinem Blog Staatsgeheimnisse preisgegeben zu haben. Mittlerweile ist Peratović zwar wieder auf freiem Fuß, seine Zukunft bleibt jedoch ungewiss. Denn die angedrohte Klage ist bis heute ausgeblieben. Experten deuten den Vorfall als klaren Angriff auf die Pressefreiheit. Die Ehefrau von Željko Peratović (Nada) hat mit weitergedacht.at über die Hintergründe der Verhaftung gesprochen.

Wie Nada Peratović weitergedacht.at mitteilte, kam es im Zuge der Verhaftung zu einer siebenstündigen Hausdurchsuchung, bei der Computer, Laptop, Mobiltelefone, schriftliche Unterlagen und ein Printer des Journalisten beschlagnahmt wurden. Nach der Durchsuchung wurde Peratović auf die Polizeiwache mitgenommen, wo er neun Stunden lang in einem „informellen Gespräch“ befragt wurde. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist der Journalist zwar bereits wieder aus der Untersuchungshaft entlassen, wie es weiter geht und ob Anklage erhoben wird, ist jedoch unklar. Sollte es zu einer Anklage kommen, drohen Peratović bis zu drei Jahre Haft.

Der Befel des Ermittlungsrichters für die Durchsuchung nach der Wohnung der Familie Peratović (pdf)

Was wird Peratović zur Last gelegt?

Formal handelt es sich um drei Dokumente, die den Journalisten belasten. Alle drei wurden vor mehr als fünf Monaten in seinem Blog veröffentlicht. Die Polizei löschte jedoch erst vor kurzem das belastende Material von Peratovićs Seiten. Dass die angegebenen Dokumente ausschlaggebend sind, daran mag Peratović nicht glauben. Zumal die Texte zuvor auch schon in anderen Medien publiziert worden waren. Und auch inhaltlich ist er sich keiner Schuld bewusst: Er habe aus einer anderen Sichtweise, als die anderen geschrieben, aber keine Geheimnisse enthüllt. Der Verdacht internationaler Experten, dass Peratović zu Unrecht verhaftet wurde, hat andere Ursachen: Der Journalist soll in jedem Fall einige unschöne und für so manchen wohl unbequeme Wahrheiten ans Tageslicht beförderthaben. So beinhalten zwei der Dokumente Texte des britischen Geheimdiensts. Im Dritten wird über die Anklage einer Gruppe von Journalisten diskutiert, welche im Fall Gotovina beschuldigt wurden, gegen den Staat zu arbeiten.

Tomislav Karamarko, der Leiter der Sicherheit und Intelligence Agency, ersucht dem Staatsanwalt Mladen Bajić, die Strafverfolgung gegen Željko Peratović (pdf)

Kritik an kroatischem Geheimdienst

In seinem Blog kritisiert Peratović mehrmals den kroatischen Geheimdienst SOA (Die Sicherheit und Intelligence Agency). Mehrere Texte berichten über die Intransparenz bei der Einstellung von Personal, das nicht nach bestimmten Kriterien, sondern nach dem Prinzip der Vetternwirtschaft in den Dienst genommen wird. Dabei nennt Peratović einige Namen von SOA-Mitgliedern. Grund genug für den Geheimdienst – so vermuten Menschenrechtsexperten – Peratović zum Schweigen bringen zu wollen. Dieser Meinung ist auch Peratović selbt. Nach eigenen Angaben wird er seit Längerm abgehört und sein E-Mail-Verkehr bespitzelt. Zudem wird Peratović seit zwei Jahren von keiner kroatischen Zeitung mehr eingestellt. „Man versucht meinen Mann aus den Main-Stream-Medien fernzuhalten“, sagt die Ehefrau des Journalisten zu weitergedacht.at.

Angriff auf Pressefreiheit

Der Fall Peratović hat in der kroatischen Öffentlichkeit für große Empörung gesorgt. Journalisten, Politiker, ja auch die Polizei sprachen sich für den Journalisten aus. So auch Regierungschef Ivo Sanader: „Ich war immer auf der Seiten der Journalisten.“ Viele Kollegen des kritischen Journalisten sahen in der Aktion einen Einschnitt in die Pressefreiheit und somit auch eine Verletzung der Demokratie. Es wird beklagt, dass der falsche Mann zur Rechenschaft gezogen wird. Im Geheimdienst besteht offensichtlich ein Leck, aus welchem Informationen nach außen dringen. Anstatt die Schuldigen im SOA zu suchen, wird derjenige angeklagt, der die Informationen veröffentlicht. In seinem Blog war Peratovićs Stimme bisher nur sehr leise in Kroatien zu vernehmen. Željko Peratović lässt sich jedoch nicht so leicht besiegen: „Sie haben sich verkalkuliert und dachten, dass ich mit der Zeit unter den Repressalien aufgeben würde. Aber ich fürchte mich nicht mehr vor ihnen.“

MI6 Ranko Ostojić Gotovina

Die beschlagnahmten Unterlagen sich beziehen auf die Zusammenarbeit der kroatischen Polizei und  den britischen Auslandsgeheimdienst MI6  im Fall Gotovina.

Die beschlagnahmten Unterlagen sich beziehen auf die Zusammenarbeit der kroatischen Polizei und den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 im Fall Gotovina.

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