Vinko Sindičić als jugoslawische James Bond

Die Rolle von Vinko Sindićić hat sich während des Prozesses völlig verändert. Richter Manfred Dauster fühlte, dass Sindičić wieder auf die Seite seines früheren Chefs von UDBA geschaltet. Der ehemalige UDBA-Mörder begann, den Hof zu erpressen und einige Versionen von Geschichten anzubieten, die nicht mit seinen früheren Zeugnissen übereinstimmten.

 

Peratović über die Udba-Verhaftungen:

„Sindičić war nicht nur ein Killer. Er war der jugoslawische James Bond“

 

Autor: Vlatka Polšak Palatinuš  16.04.2015 12:01, tportal.hr

 

Der Enthüllungsjournalist Željko Peratović, der sich seit Jahren mit der Udba und deren Fangarmen beschäftigt, die die einstigen jugoslawischen Funktionsträger in den neu entstandenen Staaten eingeschlagen haben, kommentiert die gestrige Verhaftung von Josip Perković und Zdravko Mustač. Er behauptet, Perković und sein Anwalt Anto Nobilo streuten der Öffentlichkeit Sand in die Augen.

Vinko, Hotel, Deutschland

Am Samstag, den 02. September 2017 war ich in diesem Hotel in Deutschland. Ich zeige, wo die Kugel die Glaswand der Hotellobby getroffen.

  • Perković wurde gestern an einer unbekannten Adresse verhaftet. Er sagt, er habe bei einem Freund übernachtet und der Polizei selbst verraten, wo er zu finden sei. Wie kommentieren Sie das?

In kritischen Situationen pflegt Perkovic sich stets als erkrankter Nationalheld darzustellen. Er ist drei Mal nicht vor Gericht in Gospić erschienen (Tihomir Orešković und andere), bis die Richterin Ika Šarić ihm mit Haft gedroht hat. Früheren Vorladungen deutscher Ermittler ist er wegen Krankheit nicht nachgekommen. Unterdessen spricht er – oder jemand spricht in seinem Namen, meistens Nobilo – von seinen ausschlaggebenden Verdiensten bei der Gründung und Verteidigung des Staates. Er fürchtete sich vor der Verhaftung. Als er und die Polizei realisiert haben, wie groß das Interesse der Medien und der Bürgerrechtsaktivisten ist, hat er bei einem Freund „übernachtet“. Tatsache ist, dass wir von der Festnahme keine Bilder haben, nur welche, die ihn beim Untersuchungsrichter zeigen.

  • Nobilo sagt, er führe eigenen Ermittlungen, und es gebe Anzeichen dafür, dass hinter dem Đurekovic-Mord die jugoslawische Udba, das heißt die Bundesleitung, und dass die montenegrinische Udba ihn ausgeführt habe.

Unsinn. Angeordnet hat den Mord das Mitglied des Staatspräsidiums der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien Mika Špiljak, und operational tätig wurden Mustač als damaliger Chef der kroatischen Udba und Perković als Chef der damaligen 2. Abteilung. Prates hat – als Mitarbeiter von Perković – den Schlüssel der Werkstatt übergeben, in der Đureković ermordet wurde, und Informationen über seine Bewegungen geliefert. Perković hat den Schlüssel und die Informationen an Stanko Čolak weitergegeben, dem damaligen Chef der 2. Abteilung der Bundes-Udba, und der hat sie weiter an die Mörder gegeben (die Arkan-Leute). Formal hat die Bundes-Udba damit nichts zu tun. Nicht der Bundesrat zum Schutz der Verfassung hat die Entscheidung gefällt. Aber selbst dann wäre Perković schuldig, weil er sie eben ausgeführt hat. Tötungen ohne Urteil waren auch damals gesetzwidrig. Das, was auf andere Art Minister Dolanc und Boža Spasić als Beauftragter für Propaganda im Fall Đureković auf andere Weise unternommen haben, hat mit dem Mord selbst nichts zu tun. Dolanc hat später den Rücktritt von Pavle Gaži akzeptiert, dem Mann, der gemeinsam mit dem damaligen deutschen Innenminister Zimmermann zum Zeitpunkt des Mordes auf Korcula vereinbart hat, dass die Deutschen Đureković zur Rückkehr überreden sollten, damit er dort gegen in der Ina-Affäre Vanja Špiljak und Mišo Broz aussagt. Als Zimmermann erfuhr, dass Đureković ermordet worden war und das Gespräch daraufhin plötzlich abbrach, hat Pavle Gaži seinen Rücktritt vom Amt des Republikspolizeichefs eingereicht. Stane Dolanc hat zwar nichts unternommen, dass Mika Špiljak ins Gefängnis kommt; das heißt aber nicht, dass er, Dolanc, auch den Mord angeordnet hätte. Er wusste jetzt nur, dass er Mika Špiljak in seinem nachmaligen Amt als Vorsitzender des Staatspräsidiums würde erpressen können. Mit solchem und ähnlichem Umgang mit Figuren, die gern „Tito nach Tito“ geworden wären, hat Dolanc sich fast bis zum Ende Jugoslawiens als Polizeichef halten können, und der erwähnte Stanko Čolak wurde, als er den Posten des Leiters der 2. Abteilung verließ, sein Berater. An Čolaks Stelle trat der Herzegowiner Ivan Lasić. Somit hat die Bundes-Udba den Đureković-Mord nur verschleiert, aber nicht organsiert. Dass die Ausführenden dann Serben und Montenegriner waren, ist ungewöhnlich, aber es spielt bei der Bemessung dessen, was Perković und Mustač zur Last gelegt wird, keine Rolle. Auch der Auftraggeber des Mordes an Ivo Pukanić, nicht einmal der Organisator, kannte den Exekutor Bojan Gudurić nicht persönlich.

  • Hat die Udba in diesem Fall, indem sie keine kroatischen Exekutoren beauftragt hat, nicht die Regeln verletzt?

Der Mord an Djureković ist ungewöhnlich, weil er sich nicht in Übereinstimmung mit den bis dahin geltenden Regeln für die Ausführung von Liquidierungen befindet. Man engagierte Serben, um Serben zu töten, Kroaten, um Kroaten zu töten, Moslems für Muslime. Diese Regel gilt nicht für Albaner, weil Udba keinen Albaner finden konnte, der einen Albaner töten würde.

  • In welchem Verhältnis stand Perković zu Mustač? Er stand in der Hierarchie weit niedriger, aber die Öffentlichkeit beschäftigt hauptsächlich Perković. Wie war Mustačs Stellung?

Mustač war zur Zeit des Đureković-Mordes Chef der kroatischen Udba, er wurde erst später Chef der Bundes-Udba. Aber damit war er eben Perkovićs Chef, und der könnte Mustač dafür belasten, dass er ihm und Prates Befehle erteilt hätte. Ja, Perković kann Mustač belasten. Die beiden sprechen nicht miteinander, weil Mustač es nicht geschafft hat, seinen früheren Spionen die internationale Verfolgung zu ersparen. Mustač wiederum könnte Perković belasten, dass er verschiedene Dinge ohne sein Wissen getan habe. Bei jeder Aktion kriegt man vom Chef eine formelle, schriftliche Erlaubnis, aber daneben müsst ihr noch etwas anders tun. Zum Beispiel: Geht auf Dienstreise in die Schweiz und bringt nebenbei jemanden um, handelt mit Drogen etc.

  • Vinko Sindičić wird wegen Falschaussage vor dem deutschen Gericht gesucht, und zwar aufgrund einer Strafanzeige, die Perković und Mustač gegen ihn erstattet haben. In welchem Maße belastet seine Aussage die beiden gestern verhafteten? Und ändert die Geschichte mit Sindičić irgendetwas im deutschen Verfahren?

Nein, nichts. Der Schlüssel waren die Aussage von Prates und die materiellen Beweise, die die deutschen Ermittler vorgelegt haben. Das mit Sindičić ist nur ein Ablenkungsmanöver, das Druck auf Deutschland ausüben soll, in dem Sinne: Ihr wollt doch so eine ehrliche Gerichtsbarkeit haben, und da nützt und womöglich stützt ihr einen solchen Zeugen! Aber Sindičić kann gefährlich für die beiden werden, wenn er böse wird und über andere Morde spricht, die sie organisiert haben; an manchen davon hat er selbst teilgenommen.

Zwiespältig. Sindičić war kein einfacher Killer. Er war der jugoslawische James Bond. Er spricht fünf Sprachen. Mental ist er stabil, physisch belastbar, und man war auch in der Udba-Spitze zufrieden. Deshalb, wegen seiner großen Verdienste, brauchte Perkovic ihn. Perković hat ihn auch ausgeschickt, den kroatischen Emigranten Nikola Stedul zu töten, aber Perković hat sein Versprechen, sich im Fall, dass Sindčić auffliegt, sich um seine Immobilien und seine Jagd zu kümmern. So ist es dann gekommen. Sindičić war sehr böse deshalb und hat sich 2007 bei einem deutschen Gericht gemeldet und gegen Perković ausgesagt. Unter merkwürdigen Umständen wurde auch Sindičićs Partner von der Udba in Rijeka umgebracht, Branko Bijelić, und so fürchtete er, dass man auf die gleiche Weise mit ihm abrechnen könne. Am Ende ist die Liebe zwischen Sindičić und Perković am Gelde zugrundegegangen.

  • Im Moment sind Sie in Deutschland. Wie gehen die dortigen Medien mit den Morden um?

Sie sagen, hinter allem stünden Kriegsprofiteure, über die Perković vieles wisse, und die die jetzigen Politiker als Strohmänner führten. Die Deutschen feuern aus allen Rohren, die Lage sei „jetzt oder nie“. Sie betonen auch, dass Perkovićs Sohn Saša Berater von Präsident Josipović ist. Sie haben jetzt eine starke Koalitionsregierung. Der neue Außenminister will sich Mitte des Monats mit Vesna Pusić zu dem Thema treffen.

Die Ergänzung, 03. September 2017

Vinko, Monza, Rodriquens

Partnerin von Vinko Sindičić, Maria Rodriquens, parkte ihren gelben “Panda” vor der Werkstatt ihrer Eltern.

Die Rolle von Vinko Sindićić hat sich während des Prozesses völlig verändert. Richter Manfred Dauster fühlte, dass Sindičić wieder auf die Seite seines früheren Chefs von UDBA geschaltet. Der ehemalige UDBA-Mörder begann, den Hof zu erpressen und einige Versionen von Geschichten anzubieten, die nicht mit seinen früheren Zeugnissen übereinstimmten. Er bestand darauf, dass Đurekovićs Mörder aus Rijeka kamen. Das stimmte nicht zu, was die Ermittler bisher entdeckt haben. Immerhin getäuscht Sindičić zuvor Ermittler, als er die Entführung von Luka Sekula UDBA-Mitarbeiter aus Schweden organisiert. Die deutschen Behörden mussten Sekula aus der Haft nehmen, weil sie die Anklagen, die Sindičić auf seine Rechnung ausgesprochen hatte, nicht beweisen konnten.

Vinko Sindičić lebt heute bei Eltern seiner italienischen Partnerin Maria Rodriquens neben Monza. Er hat ein erstes Urteil gegen Perković und Mustač. Dirk Ackermann, sein ältester Sohn, hilft Sindičić beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe das erste Urteil gegen Perković und Mustač für nichtig zu erklären.

Vinko, Dirk, Frankfurt

Der älteste Sohn von Vinko Sindic, Dirk Ackermann, arbeitet am Flughafen in Frankfurt.

Zum Beitrag 3.SEP.6:04
Gegendarstellung:
Ich helfe nicht meinem Vater Sindicic in Karlsruhe irgendein Urteil für “nichtig” zu erklären.
Ich bestätige Ihnen also, dass diese Meldung falsch ist, das ist einfach zu verstehen.
Reagieren Sie bitte darauf. Vielen Dank. Dirk Ackermann

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