Vor 15 Jahren wurde ermordet Milan Levar: DAS LETZTE GESPRÄCH MIT MIĆO

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Milan Levar – Kroatiens schärfster Kritiker der Kriegsverbrechen, die von Kroaten gegen die serbische Minderheit verübt wurden – wurde durch eine Bombe in seinem Hinterhof in Gospić am 28. August 2000 getötet. – 15 Jahre sind vergangen und noch immer wurde niemand für dieses Verbrechen angeklagt -Keine Feier zu seinen Ehren. Lieber Milan, wir erinnern uns heute an dich und setzen dein Vermächtnis fort.

“Fokus”, Zagreb, 01.09. 2000.

Unser Journalist hat Milan Levar unmittelbar vor seiner Ermordung angerufen. Dieses bewegende Portrait stammt aus der Hand eines Freundes und guten Kenners der finsteren Spiele im kroatischen Vorhof von Den Haag.

Zeugnis über den ermordeten Freund

DAS LETZTE GESPRÄCH MIT MIĆO

von Željko Peratović

 

Als mich am Montag, dem 28. Februar, gegen 17 Uhr mein Kollege und Freund Robert Frank anrief und mich fragte, ob ich eine anonyme Nachricht bestätigen könne, die seine Redaktion erreicht habe, nämlich dass Milan Levar Selbstmord begangen habe, gab ich ihm zur Antwort, er solle meine Zeit nicht mit Dummheiten verschwenden. Mit Mićo hatte ich gegen Mittag noch telefoniert, und er hatte sich eiserner angehört denn je. Er hatte den Zeitungsauftritt von Mile Kosović kritisiert, dem Kommandeur der Domobranen-Brigade aus Gospić, der neben General Rahim Ademi bei der Aktion in der Medak-Tasche (Eroberung eines strategisch wichtigen Landstrichs nahe Gospić durch die Kroaten im September 1993, bei der einige Dutzend serbische Zivilisten getötet wurden, Anm. d. Ü.) der Lockvogel war. Levar hatte sich gefreut, dass Kosović “geredet hat, obwohl er nur ein Hundertstel der Wahrheit gesagt hat”. Er hatte kommentiert: “Jetzt brechen die Verhältnisse zwischen denen auf, die für diese kroatische Schande verantwortlich sind. Kosović hat nicht direkt über die Kriegsverbrechen gesprochen, die bei dieser Aktion begangen wurden, aber er hat auch nicht ohne Grund geredet. Er fürchtet sich, nennt General Norac und (Ex-Verteidigungsminister, Anm. d. Ü.) Šušak’s doppelte Befehlsstruktur bei der kroatischen Armee. Wenigstens ist es jetzt nicht mehr nur Levar, der darüber redet.”

Milan Levar Fokus Peratović

Die Titelseite der Zeitschrift Fokus

Mićo (eine vertraute Form des Namens Milan, gemeint ist Milan Levar, Anm. d. Ü.) hat mich bei dieser Gelegenheit auf die schwierige Situation der Schwester von Zdenko Ropac aufmerksam gemacht, einem der Haager Zeugen im Fall Gospić, die, angeblich wegen fortdauernder Drohungen “wegen des Verrats des Bruders”, vorläufige Unterkunft in einer psychiatrischen Klinik gesucht habe. “Du musst nicht darüber schreiben, aber es ist gut, dass du es weißt”, hat er mir gesagt. Beschwert hat er sich bei mir noch über einen früheren Politiker aus der Region Lika, der “sich ständig irgend etwas ausrechnet. Über die Verbrechen in Gospic will er nur sprechen, wenn er direkt bedroht ist, aber, weißt du, er ist auch selbst verantwortlich für die Geschehnisse der entsprechenden Wochen in der Lika”.

Er hat angekündigt, sich bald mit mir treffen zu wollen, und mich zu Leuten geschickt, bei denen ich Dokumente über die Geschehnisse bei der Aktion in der Medak-Tasche finden würde. Er hat mir noch gesagt, er wolle mich am frühen Abend anrufen, weil er gerade Arbeit in der Werkstatt habe.

Da Milan Levar ein Mann voller schwarzen Humors war, habe ich mich am Ende trotzdem entschlossen ihn anzurufen und zu fragen, ob er sich wirklich umgebracht hat.

Am Telefon in seiner Wohnung und auch auf seinem Handy hat sich niemand gemeldet. Das hat mich etwas beunruhigt, aber ich habe mir gedacht, er könnte sich kurzfristig zu einer Reise mit der ganzen Familie entschlossen haben, mit seiner Frau Vesna und seinem Sohn Leon , was nicht selten vorkam. Vielleicht waren sie ja nach Karlobag zum Baden gefahren.

Ich rief einen gemeinsamen Bekannten an, einen früheren hohen Angehörigen des kroatischen Generalstabs und fragte ihn im Scherz, ob er von dem Gerücht gehört habe, Levar habe sich umgebracht. Die Antwort traf mich wie ein Donnerschlag: “Er hat sich nicht umgebracht, aber er ist tot. Gerade hat sich seine Frau Vesna bei mir gemeldet. Er ist bei einer Explosion in seiner Werkstatt ums Leben gekommen.”

Entsetzt habe ich die Nachricht an Frank in Rijeka übermittelt. Alles wir mir klar, und ich habe überhaupt nicht daran gezweifelt, dass er einem Attentat zum Opfer gefallen ist, obwohl auch ich bald Informationen bekam, wonach er unvorsichtig mit einer Gasflasche umgegangen sein soll.

Dann rief mich voller Panik ein Freund Levar’s (Milan Mrla) aus dem Krieg an, Angehöriger eines kroatischen Geheimdienstes: “Sie haben ihn umgebracht! Ich habe ihm vor einigen Tagen gesagt, seine Liquidierung werde ernsthaft vorbereitet, und er solle aufhören, an die Öffentlichkeit zu gehen. Er ist zu weit gegangen. Er hat gedacht, er sei unzerstörbar. Er hat nicht auf mich gehört!”

Tomislav Oresković und Zdenko Bando in der deutschen Asyl in Münster

Tomislav Orešković und Zdenko Bando in der deutschen Asyl in Münster

Wie eine kaputte Platte wiederholte der Agent, wie er Mićo im Guten gesagt habe, dass er aufhören solle mit seinem blinden Treiben. Mit Mühe habe ich das Gespräch beendet.

Levar hat in dem Bewusstsein gelebt, dass ein Mord ihn eines Tages stoppen würde. Aber wie und warum hätte das geschehen können – nach dem 3. Januar (der Tag des Machtwechsels in Kroatien im Jahr 2000, Anm. d. Ü.), dem Tag, über den er sich gefreut hatte wie ein kleines Kind und von dem er sagte, dass in Kroatien nun der Rechtsstaat an die Tür geklopft hätte? “Unsere Kriegsverbrecher werden wir jetzt im eigenen, demokratischen und gerechten Land aburteilen können”, hatte er mir freudestrahlend erzählt, nachdem er, als persönlicher Freund von Mesić, bei dessen Amtseinführung als Präsident geladener Gast gewesen war.

Milan Levar hat von 1992 bis heute kroatischen und ausländischen Medien an die hundert Interviews gegeben und hat 1997 auch vor dem Gericht in Den Haag über die Wochen in Gospic 1991 ausgesagt. Mehrere Attentatsversuche gegen ihn hat es gegeben, auf sein Geburtshaus wurde geschossen, wo seine Mutter Katica lebt, und auf den Hof, wo er jetzt sein Leben verloren hat. Sogar mit Gift hat man ihn umbringen wollen; seither trank er den Kaffee nicht mehr mit Zucker. Er trug immer Süßstoff in der Hosentasche.

Vor dem Krieg hat er an praktisch jeder Rauferei in Gospić teilgenommen. Aus der Fliegerakademie in Mostar flog er nach fünfzehn Jahren hinaus, weil er einen Hauptmann angegriffen hatte, der seinen kroatischen Nationalstolz beleidigt hatte.

Aus dem Krieg erinnert man sich an ihn als energischen Kämpfer. Er kämpfte in vorderster Linie zur Verteidigung von Gospic, gemeinsam mit dreißig Leuten, die noch im Sommer 1991, als Eingreifzug des Pajo Šimić, die ersten Stellungen gegen Lički Osik hielten.

Mit dem Tode hatte er viele Begegnungen, und sein schwarzer Humor war für Menschen mit empfindlichem Gemüt wohl schwer auszuhalten. Lächelnd erzählt er mir von Totengräbern, die auf dem Rücken die halb auseinandergefallene Leichen der Opfer von Kriegsverbrechen, und “Würmer von der Größe dieser Crocky-Crocket-Kugeln krabbelten den Totengräbern den Rücken runter”.

Er hat mir gesagt, er habe den Militärdienst quittiert, als er den beglaubigten Befehl bekomme habe, Zivilisten zu töten. “Ich bin nicht in den Krieg gezogen, um Omas umzubringen, wie die, die sich ihr Kroatentum mit Blut und Geld erkauft haben.” Diesen Satz hat er zu einer Redensart gemacht.

Alkohol hat er schon seit fünfzehn Jahren nicht mehr getrunken, seit dem Tod des Vaters. Nur Kaffee und Mineralwasser. Man konnte stundenlang mit ihm reden, und er nahm nichts als diese Getränke zu sich. Die ihn nicht geliebt haben, sahen auch darin ein Zeichen, dass Mićo nicht normal sei. Ein ehemaliger HDZ-Politiker hat mir im Winter beim zehnten Bier gesagt, Milan Levar sei kein richtiger Mann, weil “richtige Männer kein Mineralwasser trinken und weil “wer das stundenlang aushält, außer physischem auch psychischen Schaden davongetragen hat”.

Als ich am Tag vor seinem Tode auf der Terrasse des Hotel Dubrovnik in Zagreb mit zwei Männern aus der Lika über den Fall Medak-Tasche sprach, einem Geheimagenten und einem früheren hohen HDZ-Politiker, wollten mich beide davon überzeugen, dass Levar psychisch krank sei. “Warum hört er nicht einmal auf zu reden? Die Welt beruht auf Absprachen. Warum nimmt er nicht an, was man ihm bietet? Er könnte schon lange gut leben, wenn er gescheit wäre. Denkt er, er ist Jesus? Mit Worten allein lässt sich nichts beweisen. Es braucht Papiere! Es liegen viele Gebeine in der Lika, noch aus türkischer Zeit. Auf manchen Massengräbern wachsen schon Wälder!”

Schon vorher habe ich gespürt, dass ihm frühere Ratgeber den Rücken kehrten. Alles was seine hartnäckigen Feinde über ihn sagten, habe ich hingenommen, wie wenn mir jemand Guten Tag wünscht. Nicht besonders überrascht über die Worte der beiden aus der Lika, habe ich Levar Teile davon weiter erzählt. Er war nicht besonders beunruhigt.

Er hat sie zum Teufel gewünscht und behauptet, dass “die sich alle von ihrer bösen UDBA-Vergangenheit loskaufen” wollten und “nicht viel besser” seien “als die, die Verbrechen an Zivilisten verübt und befohlen haben. “Über Verbrechen reden sie nur zum eigenen Nutzen oder um mit jemandem abzurechnen. Armes Kroatien, wenn solche Leute wieder an die Macht kommen!”

Mehrmals hat er, wenn er sich wieder über einen früheren Ratgeber aufgeregt hat, wer alles von dem früheren staatlichen oder militärischen Führungsspitze Kroatiens vor den Haager Ermittlern ausgesagt hat – “insgeheim, um die eigene Haut zu retten”. Und er fügte hinzu: Ich mache alles öffentlich und feilsche nicht mit dem Unglück wie so mancher falsche Menschenrechtsschützer.” Oft haben ihm auch Freunde den Rücken gekehrt, weil sie seine Kompromisslosigkeit und seine Sturheit nicht mehr aushielten.

Geärgert haben sich über ihn auch das Haager Gericht und die Persönlichkeiten der kroatischen Öffentlichkeit, die mit der Haager Anklagebehörde gute Beziehungen unterhielten. Nachdem er gemeinsam mit zwei Gospiker Abwehrkämpfern, Zdenko Ropac und Zdenko Bando, 1997 in Den Haag ausgesagt hatte und als sie sich bei dieser Gelegenheit nicht über den Status geschützter Zeugen einigen konnten, haben sie eine Pressekonferenz abgehalten und den Gerichtshof wegen Ineffizienz angegriffen.

Ropac, Bando und Levar’s Trauzeuge, der Gospiker Polizeiinspektor Tomislav Orešković, sind trotzdem mit einigen vorgeblichen Garantien des Haager Gerichtshofs nach Deutschland gefahren, und Levar selbst redete in Gospic weiter. So habe auch ich ihn Anfang vorigen Jahres kennen gelernt, als er mich anrief, mir neue Zeugen und Geschichten über die Kriegsverbrechen in der Lika anbot, weil er den Eindruck hatte, die Sache mit Den Haag und Gospić sei auf einem toten Gleis gelandet.

Auf der Grundlage einiger Texte, die ich im vorigen Jahr veröffentlicht habe, hat der frühere Staatsanwalt Berislav Živković die Ermittlungen eingeleitet. Als er im Frühjahr sein Amt abgab, hat sich Živković dessen sogar gerühmt, denn zu seiner Amtszeit habe “die Staatsanwaltschaft auf Presseveröffentlichungen reagiert”.

Lukić Ropac Peratović Stuttgart

Zdenko Ropac in der deutschen Asyl nahe Stuttgart. Auf der linken Seite von Ropac ist Journalist Slavica Lukić, und auf der rechten Seite ist Željko Peratović.

Allerdings hatte bis dahin niemand von der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Ermittlungen, und auch nicht später, als im April die Haager Ermittler mit Ausgrabungen rund um Gospić begonnen hatten, Milan Levar zu einem Gespräch geladen, damit er sein Wissen hätte ausbreiten können.

Seine Gegner haben sich vor ihm gefürchtet. Sie fürchteten sich vor seiner physischen Kraft, seiner Gewandtheit und seiner Entschlossenheit. Er trug zur Selbstverteidigung keine Pistole, nur ein Klappmesser. “Sie haben nur das Recht einmal auf mich zu schießen. Wenn sie mich verfehlen, wissen sie, was ihnen blüht”, hat er mir bei Gelegenheit einmal ganz ruhig gesagt. Er kannte seine sehr heftige, auffahrende Art und wusste genau, dass er “zufällige Geplänkel auf der Straße oder in der Kneipe” vermeiden musste, schon damit er nicht in die Situation käme, dass er jemanden umbrächte oder umgebracht würde – vielleicht in einer Abrechnung, die sich als Wirtshausrauferei tarnt.

Vergangenen Sommer rief er mich an, brüllte, eine Frau habe ihn auf der Straße geohrfeigt. Er beruhigte sich und fuhr fort: “Ich komme gerade zum Haus meiner Mutter, als aus einem Auto mit Zagreber Kennzeichen eine kleine Frau steigt und mich fragt, ob ich Milan Levar bin. Ich frage, was sie will. Und sie nimmt Anlauf wie eine Furie und gibt mir eine Ohrfeige. Gibt an, sie sei die Frau von Tihomir Orešković und ich hätte mit meinen Gegeifer ihre Familie zerstört. Ich habe nicht glauben können, dass Orešković so feige ist, mir die Frau auf den Hals zu hetzen. Ich habe dich angerufen, weil ich ihn sonst in den Kneipen gesucht und vielleicht eine Dummheit an ihm begangen hätte, wegen der dann alles, was ich gesagt habe, ins Wasser gefallen wäre».

Viele halten Milan Levar für einen Verräter und freuen sich über seinen Tod. “Wenn ich ein Verräter bin und die früheren Gospiker Jugoslawen, Kommunisten und die Serben, die Vor-und Nachnamen gewechselt haben, größere Kroaten sind als ich, dann soll das so sein. Aber ich werde nie aufhören, diesen Schandfleck von meinem kroatischen Volk abzuwischen und beschuldige ganz konkrete Personen aus Kroatien, aber auch Angehörige fremder Geheimdienste, die verantwortlich sind für den Tod von Hunderten meiner serbischer, aber auch kroatischen Mitbürger. Wenn ich ein Verräter bin, weil ich eben nicht will, dass mein ganzes Volk sich wieder fünfzig Jahre als ‘genozidal’ bezeichnen lassen muss, dann bitte! In der Absicht, die volle Wahrheit über das, was hier geschehen ist, bekannt zu machen, wird mich weder Den Haag noch Washington noch Moskau aufhalten, geschweige denn ein paar hiesige Feiglinge und Kretins mit einer Intelligenz auf der Höhe der Zimmertemperatur!”

Einige hielten Levar für einen verkleideten fremden Agenten und sahen darin das Motiv für alles, was er tat. Auf solche Anschuldigungen hat er keine Rücksicht genommen. Er hat nur gesagt: “Dann bin ich wohl ein Geheimagent, der Geheimnisse hasst. Ich würde alle Geheimnisse gesetzlich verbieten.”

Wäre am Montag in Gospić jemand anders ermordet worden, hätte Milan Levar sich bemüht, dass die Öffentlichkeit erfährt, wie er umgekommen ist, wer ihm umgebracht hat und wer den Mord befohlen hat.

Mićo, ich warte immer noch auf deinen Anruf.

 

Kolić Jurič Gospić Levar

Der ehemalige Generalsekretär der HDZ und der stellvertretende Ministerpräsident der kroatischen Polizei, Josip Boljkovac, Perica Jurič mit seiner Ex-Frau Kristina Kolić bei Milan Levar in Gospić im Jahre 1993.

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Das Kroatische Fernsehen und im Medak-Tasche Propagandakrieg

Das Kroatische Fernsehen führte im September 1993 rücksichtslose Kriegspropaganda durch und berichtete über die polizeiliche und militärische Aktion Medak-Tasche. Die Rolle des Hauptkriegsberichterstatters in dieser Aktion wurde dem Verteidigungsministerium von der Journalistin Silvana Menđušić übertragen, die zuvor in Propagandaberichten aus Šibenik (fälschlicherweise Beschuss von Šibenik und Befragung der inhaftierten Häftlinge in der Miljevci-Kampagne) erschienen war. In Medak-Tasche war sie neben “feindlichen” Leichen abgebildet und befahl Soldaten und Polizisten, die sie interviewte, um zu sprechen.

Das Material, das ich hier bringe, ist nicht HTVs, sondern amateurhaft. Es enthüllt nicht nur die Rolle von Silvana Menđušić und HTV im Propagandakrieg, sondern zeigt auch Verbrechen, Leichen getöteter Zivilisten, brennende Häuser und die dafür Verantwortlichen sind Mirko Norac, Frane Tomićić, Milan Čanić Bićo, General Janko Bobetko und Admiral Davor Domazet Lošo, dessen Strafverfolgung noch von Amnesty International gesucht wird.[/box]

Text im beiliegenden Fenster auf Seite 14:

Haag besitzt Bilder von Bobetko und Krpina in der Medak-Tasche

In der großen Aufregung um eine angebliche Haager Untersuchung gegen General Petar Stipetić, der für angebliche Kriegsverbrechen in der Aktion Medak-Tasche im Jahre 1993 verantwortlich sein soll, ging eine Information beinahe unter: Die Meldung der Tageszeitung “Slobodna Dalmacija”, Den Haag sei im Besitz von Fotos, die General Janko Bobetko und Brigadier Drago Krpina neben etwa zehn Leichen serbischer Zivilisten und Separatisten zeigten. Die Tageszeitung, spekuliert die Bilder seien Grund genug, eine Untersuchung einzuleiten.

Drago Krpina, in der kritischen Zeit Vorsteher des IPD des Verteidigungsministeriums und heute HDZ-Politiker im kroatischen Parlament, wollte dies nicht kommentieren. Die Journalisten hat er beschuldigt, sie würden Blödsinn schreiben. Fokus konnte auch General Bobetko nicht erreichen.

Milan Levar, der bekannte Haager Zeuge im Fall Gospic, hat gegenüber Fokus die Existenz des erwähnten Bildes bestätigt.

Die Haager Untersuchungsbehörden haben uns auch einige andere Bilder gezeigt, die nahe legen, dass nach der Aktion in der Medak-Tasche, eine ethnische Säuberung der Häuser und der Menschen durchgeführt wurde.

– Wissen Sie, wie das Bild mit Bobetko und Krpina zustandekam?

Nachdem UNPROFOR bei der kroatischen Regierung wegen der Verbrechen protestiert hatte, besuchte eine Kommission des Parlaments, geführt von Luka Bebić, dem damaligem Parlamentsausschuss-Vorsitzenden Präsident für Inneres und nationale Sicherheit, das Terrain. In der Kommission befanden sich auch General Bobetko, Brigadier Krpina, Perica Jurič und andere. Ich weiß nicht, wer sie neben den Leichen ablichtete, aber die Tatsache ist, dass diese Bilder existieren. Ich weiß ganz sicher, dass damals ähnliche Bilder zu dem Parlamentarier Manolić und zum damaligen Parlamentspräsidenten Mesić kamen.

– Was hat die Kommission um Bebić gemacht ?

Man sah ein, dass es unmöglich sei, die Verbrechen zu vertuschen, so entschied man, die Verantwortlichkeit auf andere Leute abzuwälzen. Statt Mirko Norac wurden als Sündenböcke Mile Kosović und General Rahim Ademi ausgewählt. Mile Kosović wurde auf die Schnelle zum Befehlshaber der 118. Brigade ernannt, nur damit man ihn kurz darauf, wegen “Verdachts auf Verstoß gegen die Genfer Konvention in der Aktion Medak-Tasche” wieder absetzen konnte. General Rahim Ademi wurde auch tatsächlich abberufen.

-Wer ist wirklich für die Verbrechen in der Medak-Tasche verantwortlich ?

Es liegt nicht an mir, darüber zu urteilen. Ich kann nur beitragen, dass alle damaligen staatlichen Strukturen über die Verbrechen in der Medak-Tasche Bescheid wussten. Es gibt auch Beweise. Wer dafür angeklagt wird, wer nur Zeuge sein wird – darüber wird das Haager Tribunal entscheiden.

 

aus dem Kroatischen übersetzt: Norbert Mappes-Niediek

 

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