Mirko Galić ist seit jeher ein preisgekrönten Zensor

Wenn ich musste, wegen der Zensur des Hauptredakteurs Mirko Galić die Zeitschrift „Globus“, verlassen, hat Milan Levar einen Brief an das Helsinki Komitee geschrieben, in dem er die Meinungsäußerung – und Pressefreiheit verteidigte.

 

[box type=”custom” color=”#000000″ bg=”#508bbf” border=”#9e3824″]Frau Milena Gogić

Medienabteilung HHO

Tel./Fax: 01 – 455 25 50

Kroatisches Helsinki-Komitee Iblerov trg 7 HR – 10000 Zagreb

 

Sehr geehrte Frau Gogić,

ich danke Ihnen ganz herzlich im Voraus, dass Sie sich Zeit nehmen. Ich bin so frei und wage es Ihnen im Interesse, vor allem leicht nachprüfbare und fraglos beweisbare Wahrheiten zu offenbaren, wie auch meine Sicht auf die Probleme, die in der Kommunikation mit der Globus-Redaktion Herr Željko Peratović zu spüren bekommt. Diese Probleme stimmen unmittelbar mit meinem Interesse überein, dass die Ereignisse, die Gegenstand der Nachforschungen und der Bearbeitung des erwähnten Herrn Journalisten waren, der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Über einen großen Zeitraum habe ich den Wunsch verfolgt, die Namen und Instanzen derjenigen zu benennen, die mit ihrem Handeln direkt die Verantwortung in der Missachtung aller ethischen und menschlichen Normen tragen – ohne Rücksicht auf das Niveau in der heimischen und ausländischen Machtverteilung zu nehmen – in der heimischen und ausländischen Presse, sowie in den elektronischen Medien zu veröffentlichen. Mit dieser Veröffentlichung, also mit der Abnahme der unnötigen und auferlegten Last, wollte ich, unter größter Anstrengung, meiner Stadt und meinem Volk helfen. In dieser Absicht war es unvermeidbar mit einer größeren Anzahl der Journalisten mitzuarbeiten. Unter den heimischen Reportern waren Edo Popović, Dragan Ogurlić, Zoran Daskalović, Robert Frank, Slavica Lukić ….

Mirko Galić, Milan Levar, Slavica Lukić, Zdenko Ropac, Željko Peratović

Zdenko Ropac war der beste Freund von Milan Levar. Hier ist er auf dem Foto von 2003, als er noch in Asyl in Deutschland in der Nähe von Stuttgart war. Auf der linken Seite von Ropac ist Journalistin Slavica Lukić, und auf der rechten Seite bin ich.

Das sind nur einige von den Namen aus verschiedenen Zeitungen, Völkern, politischen Milieus, die trotz allem gemeinsam mit Milan Levar auf den Spuren des Handelns und der Zusammenarbeit waren und die die Fragmente der blutigen Realität von Gospić veröffentlichen wollten. Aufgrund dessen hatten sie Unannehmlichkeiten, die sich in Form von Zensur, über Drohungen, bis zu den realen bestialischen Angriffen auf Leib und Leben manifestiert haben. Doch kann ich mit Stolz feststellen, dass niemals die Behauptungen, hinter denen ich stand und die mittels erwähnter und anderer Berichterstatter der Öffentlichkeit präsentiert wurden, infrage kamen. Aus Gründen eines Pogrombeziehung der obersten Behördenschicht und des heuchlerischen Benehmens internationaler und mancher heimischen – aus problematischen Quellen genährten – quasi humanitären Organisationen, kam es zu einem Stillstand DES FALLES GOSPIĆ. Obwohl mit DEM AUFGEBEN der Journalisten – aus Gründen des unannehmbaren Verhältnisses gegenüber dem öffentlichen Wort – konfrontiert, habe ich mich dem orchestrierten Angriff der größten Mörder – in den dunklen Zeiten unserer Geschichte erzogen und zusätzlich durch WESTLICHE Geheimdienste instruiert – widersetzt. In dem Angriff auf meine Person, indem sie ihre absolut schmutzige Rolle in den Ereignissen in dieser Region zu verbergen suchten, haben ausländische Geheimdienste und heimische manipulierte Dummköpfe mehrmals meine Fahrzeuge vermint und gesprengt.

Einige Male versuchten sie mich zu vergiften. Unzählige Male haben sie auf mich, meine Familie, auf mein Haus geschossen…. Da die Presse ausführlich darüber berichtete und in Bezug auf die Natur Ihrer Arbeit bin ich überzeugt, dass eine Überprüfung der Tatsachen für Sie kein Problem darstellen wird.

Also, als Andere es aufgegeben hatten, fand Herr Željko Peratović, obwohl auf alle Versuchungen aufmerksam gemacht, genügend menschlichen und journalistischen Bewusstseins, um der Öffentlichkeit die Schwere der Wirklichkeit von Gospić vorzuführen, indem er unfrisiert, aber auch unzensiert über Namen und Ereignisse, die sowohl eine Schande aber auch eine Drohung für das kroatische Volk und die Republik Kroatien darstellen, berichtete. Herr Peratović entdeckte aber sehr schnell, dass ein öffentliches Herausheben der verbotenen Wahrheiten als Folge eine unbarmherzige Verfolgung nach sich ziehen. Eine Verfolgung, der sich auch jene anschließen, die in allen zivilisierten Ländern von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden, indem sie ihre eigenen grausamen Regeln achten, als auch jene, die sich spitzfindig und mit französischen Manieren ergänzt aber nicht weniger schmerzlich, der Denunziation ihrer Untergebenen anschließen. Womit man die Wahrscheinlichkeit derselben Anweisungen annehmen kann, oder – wenn Sie wollen – den Dienst derselben dreckigen Idee zum Vertuschen der abscheulichsten Verbrecher erweist.

Das Interessante dabei ist, dass der Journalist zum Opfer des angeblichen Wunsches der Zeitschrift “Globus” wird, die sich quasi auf dem Wege zu einer ernstzunehmenden Zeitschrift befindet, woraus zu entnehmen ist, die Morde und die offensichtlich begangenen Verbrechen kein genügend interessantes Thema darstellen, das ein gesellschaftliches Gewicht beinhaltet.

Es gibt mehrere Gründe, warum ich mich berufen fühle, hinter Herrn Željko Peratović zu stehen. In jedem Falle sind das sein korrektes Verhalten gegenüber seiner Profession und der Mut, sich in die Nachforschung und in die Analyse jener Ereignisse zu vertiefen, die sehr gefährlich sind und die noch immer andauern. Diese Ereignisse hatten und haben immer noch die Dämonisierung von uns Kroaten zum Ziel, indem man uns das, was mit unserem Glauben und unserem Erbe unvereinbar ist, an den Hals zu binden versucht. In dem Moment – als es klar wurde, dass Herr Željko Peratović in Zusammenarbeit mit mir in die Position kommt, jene der Öffentlichkeit zu präsentieren, die unmissverständlich hinter Tragödien und Verbrechen stehen, die den Abschaum der Gesellschaft
benutzend, diese erbärmlichen Volksgenossen mit dem Ziel instruierten, dieses wunderschöne Land zu erpressen – habe ich, sehr geehrte Frau Gogić, in Den Haag als Zeuge ausgesagt und kam in mein Land zurück.

 

Mirko Galić, Globus, Milan Levar, Željko Peratović, Tihomir Orešković

Als Levar und ich sind aus Deutschland zurückkehren, kaputt sein Auto in Österreich gemacht.

Ich kam nach Gospić zurück, wo zu dieser Zeit Herr Ivan Dasović der Polizeipräsident war, der General Mirko Norac der Kommandant der Kroatischen Armee (HV), Herr Tihomir Orešković Chef der HV für den Spezialkrieg war, die Präsidentin des Amtsgerichts – sowohl damals als auch jetzt – Frau Mira Jurjević war usw. Ich kehrte unter die Leute zurück, gegen die ich in den Haag ausgesagt hatte, um ersichtlich zu machen, dass ich auf jede Art von Überprüfung meiner Aussagen bereit bin. Ich hoffe, Sie sehen meine Entschlossenheit, das zu beenden, was ich angefangen habe, obwohl eine ganze Reihe von Journalisten zurücktreten musste – wegen des Anathemas auf die Wahrheit zum Schutz der erworbenen Positionen derjenigen, die über unsere Leben walten.

Herr Željko Peratović fiel in Ungnade seines Chefredakteurs, da er angeblich aus Deutschland nicht das Videomaterial mitgebracht hatte. Wenn ich Ihnen diese Reise beschreiben würde, wären Sie höchstwahrscheinlich nicht geneigt, mir zu glauben. Ich möchte Ihnen glaubhaft machen, ich bediene mich der Imputationen nicht, wenn ich kurz feststelle, dass wir beinahe zu Opfern geworden wären: dass bei dieser Gelegenheit mir ein Teil meiner Elektronik verschwunden ist, dass wir unglaubliche Autopannen erlebt hatten und eine Reihe anderer Unannehmlichkeiten. Die Materialien, die bei Tomislav Orešković und anderen aufbewahrt waren, wurden kurz bevor Herr Željko Peratović und ich eingetroffen sind, abgeholt und zwar von Personen, die sich als Angestellte des Haager Tribunals vorgestellt hatten.  Obwohl ich an noch einigen Stellen im Westen die Dokumentation in Aufbewahrung gegeben hatte, gab ich es aufgrund dessen auf, sie abzuholen. Ich schöpfte Verdacht, dass wir unter Beobachtung stehen und beschloss, dass ich mit meinem Besuch an die Stellen, wo das Material aufbewahrt wurde sowohl mich, als auch die Leute, die sich um das Material kümmerten, in Gefahr bringen würde. Ich bin überzeugt, es ist nicht der wahre Anlass für den Druck, der auf Herrn Željko Peratović ausgeübt wird, und zwar einfach deshalb, weil ich das besagte Material doch besorgen konnte und es zur Veröffentlichung angeboten hatte – da war aber angeblich die Konzeption der Zeitschrift “Globus” bereits geändert worden.

Aufgrund dessen würde ich Sie bitten, sehr geehrte Frau Gogić, die wirkliche Lage der Dinge festzustellen und Herrn Željko Peratović im Sinne der Erhaltung seiner menschlichen und professionellen Würde behilflich zu sein. Man sollte dabei daran denken, dass man Herrn Peratovic mit der Absicht angegriffen hatte, sein Leben zu bedrohen und die Veröffentlichung seiner Erkenntnisse unmöglich zu machen. – zu denen er trotz verschiedener Erpressungen, Einschüchterungen, wirklicher Drohungen, denen er seitens der Leute mit hohem gesellschaftlichem Rating ausgesetzt wurde – gekommen ist.

Für eventuelle Klärungen stehe ich gerne zur Verfügung. Ich verpflichte mich Ihnen gegenüber sowohl die Dokumentation als auch die Zeugen zugänglich zu machen, alles zum Zwecke der Argumentieren, dass die Ereignisse, die Herr Željko Peratovic erarbeitete, einen gesellschaftlichen Wert erlangen. In Bezug darauf, dass ich der ausländischen Presse eine beachtliche Anzahl von Interviews gegeben hatte, verliert die Behauptung von Herrn Mirko Galić, alles sei eine Humoreske, an Boden. In die Korrektheit Ihrer Tätigkeit bin ich überzeugt.

Mit freundlichen Grüßen
Milan Levar, Gospić, 12.01.2000[/box]

 

Mein und Levars damalige Rechtsanwältin Orhideja Martinović hat zuvor einen Brief an Mirko Galić geschrieben, in dem er ihn wegen Zensur verklagen würde. Hier ist Galićs Antwort an der Rechtsanwältin.

 

Mirko Galić, Branka Kamenski, Hloverka Novak-Srzić, Dubravko Merlić, Srebrenka Mijatović Herold

Mirko Galic mit HTV-Redakteuren und Journalisten Dubravko Merlić, Hloverka Novak-Srzić, Branka Kamenski, Đuro Tomljenović, Srebrenka Herold-Mijatović…

 

[box type=”custom” color=”#000000″ bg=”#91a6bc” border=”#871f43″]Zagreb, 10. Januar 2000 Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin (Orhideja Martinović),

Ihr Schreiben vom 23. Dezember 1999 beantworte ich mit Verspätung, hervorgerufen durch den Kalender der doppelten Feiertage und doppelter Wahlen.

Ihnen, als Bevollmächtigten des Herrn Željko Peratović, möchte ich folgendes zu Antworteten:

Zum ersten, in Bezug auf das Gehalt von Herrn Peratović möchte ich Sie Kenntnis setzen, dass die Verlagsleiterin Frau Nataša Mijačika Pavičić eine Vereinbarung mit Herrn Peratović getroffen hatte, ihm sollten alle anteiligen Beträge bis zum 15. Januar d.J. ausgezahlt werden und zwar so, als ob er regelmäßig beschäftigt worden wäre (dabei hatte er mit meinem Entscheid die Freiheit genossen, die im Prinzip für den Betrag der Stimulierung vermindert wäre).

Niemand hat Herrn Peratovic das Recht auf das Einkommen verwehrt, nur war sein Einkommen für den Betrag der Stimulierung vermindert und wird jetzt im vollen Umfang zurückerstattet, mit der Absicht, dass der Übergang in eine neue Redaktion seitens Herrn Peratović, was er selber beschlosst, erleichtert werde.

Zweitens, Herrn Peratović wurden manche Texte nicht veröffentlicht, für manche habe ich ihm persönlich gesagt, sie hätten keinen aktuellen Wert (z.B. «Die Affäre Ante Žužul», «Der 1. Garderegiment in Zagreb», «Vukojević – die Vergewaltigung in Mostar»*) und manche von den erwähnten Texten hat Herr Peratović gar nicht geschrieben).

Es ist nicht die Rede von der Zensur, die Sie mir vorwerfen und warum Sie mir drohen, sondern von der geänderten Redaktionspolitik von “Globus”, in der es immer weniger Platz für Affären und immer mehr Platz für seriöse analytische Texte gibt.

Ich glaube, Sie werden intim mit mir übereinstimmen, dass das Ernstwerden der Zeitschrift keinerlei Beziehung mit der Zensur hat.

In der Hoffnung, Sie werden den Ursprung der Missverständnisse verstehen,

grüße ich Sie herzlich

Mirko Galić[/box]

 

 

Mirko Galić, Zdravko Mamić, Tihomir Orešković, Ivan Zvonimir Čičak

Tihomir Oreškovic ist ein hervorragender Freund von Zdravko Mamić, dem Geschäftsführer des Fußballvereins Dinamo Zagreb. Ivan Zvonimir Čičak ist auch ein hervorragender Freund von Mamić.

Milan Levar bat mich beim kroatischen Helsinki-Komitee um Schutz, obwohl Ivan Zvonimir Čičak, der beste Mann auf der Hochzeit des Kriegsverbrechers von Gospić, Tihomir Orešković, der Chef der Organisation war. Das kroatische Helsinki-Komitee hat nie weder Levar noch mich unterstützt.

Mirko Galić wurde 1980 als Korrespondent von Vjesnik und Večernji list aus Paris verifiziert, nachdem eine jugoslawische Geheimpolizei in der französischen Hauptstadt 1978 den kroatischen Emigranten Bruno Bušić getötet hatte.

Galić war bis 1984 in dieser Funktion und am 19. Oktober 1981, also wenn die jugoslawische Geheimpolizei in Paris den kroatischen Emigranten Mate Kolić tötete.

Von 1985 bis 1988 war er Chefredakteur der Wochenzeitung “Danas” in Zagreb.

Kommunistische Politiker schickten Mirko Galić 1988 nach Paris zurück, und der erste kroatische Präsident Franjo Tuđman ließ ihn bis 1997 zurück.

Während des Krieges hat Galić aus Paris nie über die französischen Ansichten der Kriegsverbrechen der kroatischen Streitkräfte berichtet. Natürlich hat er die Haltung der französischen Medien und der Politik zu den Verbrechen von Tihomir Orešković 1991 in Gospić nicht erwähnt.

Aus diesem Grund zeichnete Franjo Tuđman 1997 Mirko Galić aus und ernannte ihn zum Vorstand des kroatischen Rundfunkfernsehens.

Wenn es bereits 1999 allen klar war, dass Tuđman bald sterben würde, verließ Galić das kroatische Rundfunkfernsehens. Der Inhaber der Europa Press Holding, Ninoslav Pavić, hat ihn zum Chefredakteur der Wochenzeitung “Globus” ernannt.

Wie Levar schreibt, hat Galić die Zensur in “Globus” eingeführt, wo ich bis dahin Geschichten über die Morde an der jugoslawischen Geheimpolizei und die Kriegsverbrechen kroatischer Streitkräfte später im Krieg veröffentlicht habe.

Aufgrund seiner Verdiensten wie Zensor für “schlechte Nachrichten” in Globus während des Todes von Franjo Tuđman und der Übernahme durch Ivica Račan, Dražen Budiša und Stjepan Mesić, erhielt Galić im März 2000 die Position des Direktors des kroatischen Rundfunkfernsehens.

Milan Levar wurde fünf Monate später getötet.

 

es wird weitergehen

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