ROG-Preisträger Željko Peratović in Kroatien verhaftet

Peratović hatte sich schon im Dezember 2006 an ROG gewandt und dargelegt, dass er sich durch den kroatischen Geheimdienst verfolgt fühle und guten Grund zur Annahme habe, dass sein Telefon abgehört werde. Erst am 8. Oktober hatte er erneut in seinem Blog gepostet, dass er jüngsten Informationen zufolge wieder verstärkt durch den kroatischen Geheimdienst überwacht wird.

18.10.07: Kroatien

Investigativer Journalist wird der „Preisgabe von Staatsgeheimnissen“ beschuldigt

Reporter ohne Grenzen Österreich ist in großer Sorge um den kroatischen Journalisten Željko Peratović, der gestern Abend in Kroatien verhaftet wurde. Peratović wurde 2003 für seinen investigativen Beitrag zur Aufarbeitung der kroatischen Kriegsverbrechen von ROG Österreich mit dem „Press Freedom Award“ ausgezeichnet.

Wie Peratovićs Ehefrau ROG mitteilte, kam es gestern früh zunächst zu einer siebenstündigen Hausdurchsuchung, bei der auch drei Laptops, ein PC und schriftliche Unterlagen des Journalisten beschlagnahmt wurden. Peratović wird vorgeworfen, in seinem Blog Staatsgeheimnisse preisgegeben zu haben.

Konkret soll es um einen Eintrag gehen, in dem auf eine für heute Abend (18.10., 20:10 h) geplante Sendung des kroatischen Staatsfernsehens namens “Brisani prostor” hingewiesen wird. In der Sendung soll ein Interview mit Fatima Skula Tomičić gezeigt werden, die als Zeugin des Internationalen Kriegsverbrechertribunals in Den Haag über Kriegsverbrechen an Serben in der norddalmatischen Kleinstadt Gospić berichtet hatte.

 

Marko Erceg aus Hamburg verzeichnete die Aussage von Fatima Skula Skula Tomičić, die für Kriegsverbrechen Darko Milinović (HDZ) beschuldigt

Peratović schreibt in seinem Eintrag: „Diese Sendung enthält authentische Aussagen über die Ereignisse in Gospić. Hauptverdächtige sind der verstorbene Verteidigungsminister Gojko Šušak und der der HDZ-Spitzenkandidat für die kroatischen Parlamentswahlen am 25. November, Ex-Vizepräsident Darko Milinović (HDZ). Was von dem gesamten Gespräch auch ausgestrahlt wird, werden wir am Donnerstag Abend wissen.“

Nach der Durchsuchung wurde Peratović auf die Polizeiwache mitgenommen, wo er sechs Stunden lang in einem „informellen Gespräch“ befragt wurde. Der Journalist wartet nun auf die Einvernahme durch den Staatsanwalt, der entscheidet, ob Peratović bis zu einem möglichen Gerichtsverfahren weiter in U-Haft bleiben muss. Die Höchststrafe für den Verrat von Staatsgeheimnissen beträgt drei Jahre Haft.

Der 1966 geborene Journalist hatte bereits in den 90er-Jahren in den Wochenzeitungen Nacional und Globus über die Kriegsverbrechen in Gospić berichtet – zu einer Zeit, als 80 % der Kroaten der Meinung waren, dass die „eigene Seite“ keinerlei Kriegsverbrechen begangen hätte. Peratović war auch selbst Zeuge des Internationalen Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien. Einer seiner Informanten, ein Augenzeuge der Verbrechen und ebenfalls Zeuge des Tribunals, wurde später ermordet.

ROG Kroatien Mesić Peratović Karamarko
Journalist Peratović vor dem Landgericht in Zagreb, Kroatien

Peratović wurde wegen seiner Artikel immer wieder des „nationalen Verrats“ bezichtigt. 2003 wurde er von Extremisten bedroht und belästigt, einmal wurde er auf offener Straße von einem nicht verurteilten Kriegsverbrecher körperlich attackiert. Seine Frau und seine kleine Tochter zogen daraufhin aus Sicherheitsgründen in die Schweiz.

Von seinem Arbeitgeber, der kroatischen Zeitung Vjesnik, wurde Peratović im August 2005 fristlos entlassen. Offiziell wurde dieser Schritt damit begründet, dass er ein Interview für die Wochenzeitschrift “Feral Tribune” gemacht und veröffentlicht hatte, wozu er seinem Vertrag gemäß nicht berechtigt war. Peratović zog daraufhin zu seiner Familie in die Schweiz. Zu der gestrigen Verhaftung kam es im Zuge einer Kroatien-Reise der Familie.

Peratović hatte sich schon im Dezember 2006 an ROG gewandt und dargelegt, dass er sich durch den kroatischen Geheimdienst verfolgt fühle und guten Grund zur Annahme habe, dass sein Telefon abgehört werde. Erst am 8. Oktober hatte er erneut in seinem Blog gepostet, dass er jüngsten Informationen zufolge wieder verstärkt durch den kroatischen Geheimdienst überwacht wird.

ROG, Presse / Aktuelle News

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