Nada Peratović: Familienplanung und Schwangerschaftsabbrüche wären immer wieder Gegenstand kirchlicher Attacken


Neben den sowieso säkular und atheistisch geprägten Menschen, gäbe es aber auch immer mehr Menschen aus christlichen Kreisen, die sich aufgrund der religiösen Homophobie und überkommenen Familienbildern von der Kirche distanzierten. Genau diesen Menschen müsse man eine säkulare Alternative aufzeigen. Denn Säkularismus schütze nicht nur Menschen wie uns, sondern auch gläubige Menschen, sagte Nada Peratović.

Tagungsbericht vom ersten Tag der International Atheist Convention, 22. Mai 2015 (Köln) von Carlos Zydorek und Jan Hedrich

Die Juristin, feministische und humanistische Aktivistin Nada Peratović gründete und ist bis heute die Präsidentin des “Center for Civil Courage”. Nada Peratović ist auch die Repräsentantin der Atheist Alliance International (AAI) im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) sowie Autorin des Buches “Humanismus für Kinder”.

Der Beitrag von Nada Peratović stellte das “Center for Civil Courage” Kroatien vor. Die Frage die sich zuerst stelle, sagte Peratović, sei, wieso gebe man sich nicht einen dezidiert atheistischen oder humanistischen Namen, sondern nenne es “Center for Civil Courage”.

Ihrer Meinung nach sei Zivilcourage von Vernunft und Wissen angeleitet und beinhalte die Fähigkeit “Nein” zu sagen. Daraus folge, dass wir alle wählen könnten was wir tun wollten.

Das Center orientiere sich an der Philosophie des evolutionären Humanismus, welche sie von der Giordano-Bruno-Stiftung kennen gelernt hätten.

Weiter zeigte Peratović die Situation der Humanisten in Kroatien auf. Früher, zu Zeiten des Sozialismus, sei der Atheismus vorgeschriebene Staatsräson gewesen. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus und dem darauf folgenden Jugoslawischen Krieg seien viele der einstigen Atheisten quasi über Nacht zu Gläubigen Christen geworden. Auch folgten aus dem Kollaps des Systems viele religiöse Freiheiten. Diese neu entstandenen Rechte seien vor allem für die katholische Kirche nutzbringend gewesen: Steuerbegünstigungen, staatliche Subventionen, Immobilien, kirchlicher Religionsunterricht in den Schulen etc. Trotz katastrophalen wirtschaftlichen Zuständen – Menschen seien obdachlos – bekäme die katholische Kirche unverändert ihre finanzielle Unterstützung vom Staat.

Besonders der katholische Religionsunterricht sei ein Problem, da es keine Alternative zu diesem “Lehrfach” gäbe. Kinder, deren Eltern ihre Teilnahme an dieser vom Staat finanzierten Indoktrination nicht wünschten, würden ausgegrenzt. Das gesamte Schulsystem sei von religiösen Riten durchdrungen. Prozessionen vor Schulbeginn und Schulbücher mit gesungenen Glaubensbekenntnissen sind da nur zwei Beispiele. Doch immer mehr Eltern wehrten sich gegen diese Zustände und ihr Anliegen sei eigentlich nur, die doch säkulare Verfassung des Staates umzusetzen.

Neben den sowieso säkular und atheistisch geprägten Menschen, gäbe es aber auch immer mehr Menschen aus christlichen Kreisen, die sich aufgrund der religiösen Homophobie und überkommenen Familienbildern von der Kirche distanzierten. Genau diesen Menschen müsse man eine säkulare Alternative aufzeigen. Denn Säkularismus schütze nicht nur Menschen wie uns, sondern auch gläubige Menschen.
Des Weiteren seien in Kroatien gesellschaftliche Fortschritte in Gefahr. Familienplanung und Schwangerschaftsabbrüche wären immer wieder Gegenstand kirchlicher Attacken.

Am Ende ihres Vortrags stellte Peratović ihr Buch “Humanismus für Kinder” vor, welches in immer mehr Sprachen übersetzt wird.

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