Hat Vanjka Špiljak Milorad Dodik und Anto Nobilo zusammengebracht?

Vanjka Špiljak ist Inhaber einer Firma aus Prnjavor, die in Verbindung mit den Mitarbeitern von Milorad Dodik steht. Der Direktor von Špiljaks Firma hat zudem enge Verbindungen mit dem Botschafter von Bosnien und Herzegovina in der Schweiz, Anđelko Grahovac, welcher Zeuge der Verteidigung von Radovan Karadžić in den Haag gewesen war. Gemäss deutschen Ermittlern hat sich Nobilo im Jahr 2014 mit Branko Traživuk getroffen zwecks Änderung der Zeugenaussage gegen Perković.

Die Unterstützer der Demonstrationen „Gerechtigkeit für David“ waren unangenehm überrascht als der Vater des ermordeten David aus Banja Luka, Davor Dragičević, das ehemalige Mitglied seines Anwaltsteams Anto Nobilo beschuldigt hat mit der gegenwärtigen Regierung zusammenzuarbeiten. Diese Regierung wiederum wird von Davor Dragičević verdächtigt, die Ermordung seines Sohnes David in Auftrag gegeben zu haben. Noch mehr hat die Unterstützer Nobilos Antwort schockiert: Er hat im Gegenzug den Vater beschuldigt, vom britischen Geheimdienst manipuliert zu werden in der Hoffnung, Milorad Dodik von seiner Position zu stürzen.

Uns, welche seit Jahrzehnten Nobils Zusammenarbeit mit verschiedenen Regierungen und Geheimdiensten verfolgen, war die verabscheuungswürdige Banja Luka-Episode nur eine weitere Bestätigung seiner Verbindungen mit dem Regime von Milorad Dodik. Sie reicht bis in die Schweiz und bis zu Vanjka Špiljak, bis zum Gerichtsprozess gegen Krunoslav Prates für seine Zusammenarbeit bei der Ermordung von Stjepan Đureković. Špiljak ist bekannt als ein Krimineller, er wurde beschuldigt, aus der kroatischen Erdöl-Firma INA Millionen abgezwackt zu haben.

Als er in diesen Tagen sein Buch über den Gerichtsprozess gegen Josip Perković (in welchem Perković zur Last gelegt wurde, die Ermordung von Đureković organisiert zu haben) der Öffentlichkeit vorgestellt hat, erwähnte Nobilo auch die Gerichtsverhandlung gegen Prates. In dieser war davon die Rede, dass Mika Špiljak den Mord an Đurekovic in Auftrag gegeben hat, um das Verbrechens seines Sohnes Vanjka in der Öl-Firma INA zu vertuschen, deren Manager er gewesen war. Die Wochenzeitung “Express” hat in ihrem Feuilleton über Nobilos Buch ein Vorkommnis aus dem Jahr 2014 erwähnt, in welchem angeblich Polizisten der Republika Srpska Nobilo verfolgt haben in der Annahme, dass er sich in Gesellschaft von Josip Perković befindet.

Auch wenn Nobilo in seinem Buch behauptet, dass er in Banja Luka aufgrund einer Angelegenheit verweilte, die in keinem Zusammenhang mit dem Fall Perković stand, waren ihm deutsche Ermittler auf der Spur, weil er sich mit Branko Traživuk getroffen hat, einem langjährigen Angestellten der bosnischen Firma von Vanjka Špiljak. Vanjka Špiljak war Zeuge im Gerichtsprozess gegen Perković. Die deutschen Ermittler haben Nobilo verdächtigt, dass er Traživuk dazu überreden möchte, seine Aussage zu ändern, die er ursprünglich in der Zeitschrift “Duga” im Jahr 1992 ausgesprochen hat, nämlich: dass er mit Perkovic nach Luxemburg gereist war. Dort habe ihr Mitarbeiter Krunoslav Pates Perković die Schlüssel zur Garage übergeben, in welcher dann Đureković ermordet wurde. Aus diesem Grund haben sie auch das Treffen zwischen Nobilo und Traživuk in Banja Luka dokumentiert. Als Traživuk seine Zeugenaussage vor Gericht abgab, änderte er seine Aussage dahingehend, dass er nun behauptete, der Journalist Milomir Marić habe sich seine Aussage in der “Duga” ausgedacht und ihm diese Worte somit in den Mund gelegt. Ausserdem wollte er sich an Perković rächen weil „kroatische Soldaten seinen Vater massakriert haben.“ Die Journalistin der „Slobodna Dalmacija“ Zdravka Soldić Arar hat herausgefunden, dass Traživuk über die Ermordung seines Vaters gelogen hat. Der Richter Dauster hat geurteilt, dass Traživuk lügt, weil sich dessen ursprüngliche Behauptung in der “Duga” mit dem deckt, was er als Agent der S-3 KOS-Gruppe „Labrador“ 1991 seinen Vorgesetzten in der Spionageabwehr der JNA (der Jugoslawischen Volksarmee) berichtet hatte.

Der ehemalige Offizier der Spionageabwehr Ljuban Karan hat in seinem Buch aus 2006 enthüllt, dass Branko Traživuk in der Firma von Vanja Špiljak in der Republika Srpska angestellt sei. Der damalige Dissident und Publizist, der über UDBA recherchiert, Bože Vukušić, hat im Feuilleton in der Wochenzeitung „Hrvatski Tjednik“ über den Spionageabwehrdienst KOS angegeben, dass es sich dabei um die Firma Standard aus Prnjavor handelt, die sich wiederum in Besitz der schweizerischen Firma von Vanjka Špiljak mit dem Namen Daccomet befindet.

Vanjka Špiljak, Edin Dacić, Anđelko Grahovac
Edin Dacić und Botschafter von BiH in der Schweiz, Anđelko Grahovac.

Edin Dacić, ein Schweizer Unternehmer mit Wurzeln in Serbien, behauptet von sich selbst, der Gründer von Daccomet und ihr grösster Aktionär, Direktor und Verwaltungspräsident zu sein. Ich habe ihn Anfangs Oktober gefragt:

In welcher geschäftlichen und eigentumsrechtlichen Beziehung steht Ihre Firma Daccomet mit Mitan Holding? Auf der Website von Mitan Holding ist ausgewiesen, dass Daccomet integraler Bestandteil dieser Holding sei. Wer ist de Mehrheitseigentümer von Daccomet: Sie oder Vanja oder Vanjka Špiljak?

Dacić hat auf meine Frage keine Antwort gegeben, aus diesem Grund denke ich, dass die Aussage von Bože Vukušić richtig ist. Dies wurde auch von Vanja Moos Špiljak, der Tochter von Vanjka Spiljak und Präsidentin der Verwaltung von Mitan Holding bestätigt. Letztere hat mich auf die Website der Holding verwiesen, auf welcher klar angegeben ist, dass Daccomet mit ihrer Möbelfabrik in Prnjavor (BiH) und Ćuprija (der Heimatregion von Dacićs Mutter) ein integraler Bestandteil von Mitan Holding ist, neben Mitan Oil (aus Smederevo, Serbien) und Mitan Marine (aus Novi Vinodolski, Kroatien).

Auf die Frage, ob Branko Traživuk jemals für Standard in Prnjavor gearbeitet hat oder arbeitet, antwortete mir Edin Dacić Folgendes:

„Der Name Branko Traživuk ist mir nicht bekannt. Auf jeden Fall arbeitet er nicht und hat auch nie für Standard in Prnjavor gearbeitet.“

Aber, zweite wichtige Name aus der KOS-Gruppierung „Labrador“, welche oft mit Josip Perković in Zusammenhang gebracht werden, hat Edin Dacić nicht verheimlicht: Slavko Malobabić, ehemaliger Chef des Kabinetts des Präsidenten von CK SKH Mika Špiljak und Stanko Stojčević. Er erwiderte, dass Slavko Malobabić Präsident der Aktionärsversammlung von Standard in Prnjavor gewesen war. Er verheimlichte allerdings seine Kenntnisse über die familiären Beziehungen zwischen Slavko Malobabić što und Veliša Malobabić. Der letztere war eine Zeitlang Chef der Personalabteilung der Firma Standard. Veliša ist der Sohn von Slavko. Mit ihm hat der Journalist der angesehenen schweizerischen Zeitung NZZ Andreas Ernst gesprochen und zwar im Rahmen einer Grossreportage über rühmliche schweizerische Investitionen in Bosnien und Herzegowina. Ernst preist Dacić als einen jungen schweizerischen Unternehmer mit jugoslawischen Wurzeln, der mutig in Prnjavor investiert. Nirgends erwähnt er, dass es sich dabei um eine Firma von Vanjka  Špiljak. Vanjka hat seine Mitan Holding 1999 vor dem Zürcher Handelsgericht registrieren lassen mit einem Startkapital von einer Million Franken. Es wäre logischerweise äusserst unangenehm für eine der angesehensten Schweizer Zeitungen gewesen zu erwähnen, dass sie in Wirklichkeit über Investitionen des ehemaligen Direktor der INA schreiben, welchen das deutsche Gericht als einen Kriminellen charakterisiert hat und welchem dazu der schweizerische Bundesstaat für diese Firma in Prnjavor 500.000 CHF als Darlehen gewährt hat. Dies wäre auch für die Schweiz äusserst unangenehm. Edin Dacić bestätigt den Kredit der Schweiz:

„Die Schweiz hat im Rahmen des SECO Start-up Fonds der Firma Daccomet einen Kredit von CHF 500.000 gewährt für ihr Firmenprojekt Standard in Prnjavor. Dieser Kredit wurde 2011 komplett zurückbezahlt. Kein Projekt von Daccomet hat von der Schweiz Mittel erhalten, die nicht zurück zu erstatten waren.“

Vanjka Špiljak, Draško Stanivuković, Veliša Malobabić
Draško Stanivuković protestieren vor der Versammlung der Stadt Banja Luka für die Rekrutierung von Veliša Malobabić, einem ehemaligen Leiter des Personaldienstes von Standard aus Prnjavor. Foto: RAS Serbien

Der junge Politiker Draško Stanivuković aus Banja Luka, der die Gruppe „Gerechtigkeit für David“ unterstützt, hat letztes Jahr eine Demonstration vor der Stadtverwaltung in Banja Luka organisiert mit dem Postulat, dass ihr Präsident korrumpiert sei, da er den bereits erwähnten Veliša Malobabić zum Kabinettchef ernannt hat:

„Den Bürgern wurden grosse Investitionen verkündet, Beschäftigung, es wurde gesagt, dass ein Schweizer Investitor in unsere Stadt gekommen ist. Aber anstelle in eine weitreichende Beschäftigung zu investieren, hat der Anleger stattdessen in die Stadtverwaltung investiert. Malobabić, der Mann, der vor einem Monat im Team der Firma Standard war, arbeitet jetzt in der Stadtverwaltung. Wie hoch ist sein Salär? Ausserdem ist die Familie von Veliša Malobabić Aktieninhaberin in dieser Firma aus Prnjavor. Wenn die Stadt etwas dieser Firma gewährt, besteht da nicht ein Interessenkonflikt, ist das nicht Nepotismus?“ Das waren die öffentlichen Fragen von Stanivukovic.

Nataša Telebak, blic.rs,

 

Der Direktor von Špiljaks bosnischer Firma Edin Dacić hat sich in der Schweiz oft mit dem Botschafter Bosniens Anđelko Grahovac getroffen. Dieser einstige Vorsitzende der SDS aus Banja Luka und Mitglied des Krisenstabs in Banja Luka in der Kriegszeit, zudem noch Zeuge der Verteidigung im Gerichtsprozess gegen Radovan Karadžić, hat länger als sonst üblich auf seine Akkreditierung als Botschafter von der Schweiz gewartet. Etwa 1000 Bürger Bosnien und Herzegowinas, welche in der Schweiz leben, haben sich zwei Mal an die Schweizer Regierung gewendet und um eine Ablehnung der Akkreditierung von Grahovac ersucht. Dies mit der Begründung, dass er eine Mitverantwortung trägt für die Säuberung der Stadt Banja Luka von ihrer nichtserbischen Bevölkerung. Gemäss meinen Quellen in Bern hat sich gerade der Direktor von Spiljaks Firma in Prnjavor bei den Schweizer Behörden dafür eingesetzt, Grahovac die Akkreditierung doch zu erteilen.

Nobilo hat die deutschen Behörden beschuldigt, Josip Perković nur deswegen strafrechtlich verurteilt zu haben, weil dieser zur Zeit des Krieges die Pläne des Bundesnachrichtendienstes, Kroatien nachrichtendienstlich zu unterwandern, hintertrieben hat. Beiläufig hat er gewisse Schlüsselinformationen bestätigt über die logistische Unterstützung, welche Mitglieder der UDBA von Banja Luka bekommen. In diesem Zusammenhang würde die deutsche Diplomatie Schritte in Richtung der Schweizer Regierung einleiten.

Kroatische Version des Artikels
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